Tom Thudium – Stop #1 Südafrika

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26. Februar 2018

Südafrika

Sodela. Wie schon erwähnt ist das Studium bei mir zu Ende. Also endlich hart das Arbeiten anfangen?? Neeee kleiner Scherz. Natürlich erstmal Reisen gehen. Nachdem meine Freundin Andrea auch erstmal eine Karrierepause eingelegt hat, ging es Ende Juli los. Erster Stop Südafrika. Ok vielleicht nicht das kreativste Ziel und auch schon das vierte Mal, dass ich da war, doch gab es einen Unterschied: dieses Mal kam ich mal wieder mit guter Fitness und nach 7 Monaten nur lernen (und dann Arbeiten) war auch die Motivation am Limit. Und das zahlte sich aus. Zuerst versuchte ich mich an einem Projekt in Kleinfontain, dass ich vor ca. 5 Jahren gefunden hatte und in dem ich die letzten 2 Trips versagt hatte. Ich fühlte mich besser denn je und konnte den Boulder nach ca. 5 Sessions dieses Jahr klettern (also mega schnell für mich). Der Boulder hört jetzt auf „lovin life“, ist 8a+ und meiner Meinung nach ziemlich geil.

 

Für Andrea ist Rocklands nochmal deutlich was anderes, da sie erstens noch nicht so oft da war und zweitens deutlich stärker geworden ist seit dem letzten Mal. Für sie war abgrasen der Klassiker angesagt und so konnte sie vor allem im Bereich 7a einiges weghauen, was letztes Mal noch unmöglich erschien. Besondere Highlights waren hier „Finders keepers“ oder „girlfriend Problem“. Und auch wenn man schon öfters hier war ist Rocklands immer noch mega schön: orangener leuchtender Fels, hammer Landschaft und mega Sonnenuntergänge, ideal für so manches Kitschbild und genau diese haben wir auch gemacht (sorry, aber trotzdem schön).

 

Weiteren waren wir etwas später dran und es war nicht mehr so voll, doch war gefühlt das halbe Scarpa Team aus Deutschland da und wir hatten Hammer coole Sessions mit Max (Prinz), Max (Räuber), oder Moritz (Perschwitzky) und noch vielen weiteren coolen Leuten. Ach ja und vielleicht haben wir auch ab und zu mal zusammen gefeiert (ganz untypisch für die Rocklands). Meist zeigten mir die Kinners (ja man fühlt sich schon alt bei Themen wie Führerschein grad gemacht und so) ja eher wie man das mit dem (8B) Bouldern so macht, doch manchmal konnte ich dann doch meine Erfahrung einsetzen und ein paar Sachen ziehen (und sonst halt Fotos machen). So kletterte ich einige 8as, wie Witness the sickness, Gliding through the waves like dolphins, oder flying guitar thief und flashte ein paar 7c’s, wie Salam oder Straw man (eig. wollte ich da nur kurz Pause machen beim Spotten von Andrea).

Ein weiteres Highlight war auf jeden Fall „Mooiste Meisie“ (8b) den ich mit Max (bei dem leider knapp die Zeit ausging) und Moritz versuchte. Nachdem Moritz den Boulder weggehauen hatte, konnte ich zum Glück nachziehen. Allerdings ließ ich es mir nicht nehmen noch 3 Mal oben in der 6c Traverse zu fallen, sonst wäre es ja nicht spannend gewesen. Nach einigen kreativen Ausrastern (war da ein blanker Arsch zu sehen?) gelang mir das Ding dann jedoch und unsere Crew, die sich mit Wein, Bier und Chips am Fels versammelt hatte, bekam das vollständige Entertainmentpaket. Alles in allem war es auf jeden Fall einer der schönsten Boulder die ich soweit gemacht hatte.

 

 

Andrea hatte ihr persönliches Battle mit „Panic room“ (7a+), bei dem sie irgendwie immer wieder am allerletzten Zug abfiel. Mit einer gehörigen Portion Wille, Kampfmodus und vielleicht etwas gesteigerter Ausdauer, konnte sie jedoch auch dieses Battle gewinnen und den Boulder weghauen. Alles in allem also ein mega erfolgreicher Trip für uns beide.

Eigentlich wollte ich zwar noch meinen Endgegner „The vice“ (8b) besiegen und es war auch knapp, doch versuchte ich mich zwischendurch noch kurz an „ray of light“ (auch 8b). Die Crux lief hier recht gut, doch muss man hinten mal einen Zug statisch blocken (angeblich nur 7b/c bla,bla bla, bla), doch kann ich nicht statisch blocken (vlt. weil ich den dünnsten Bizeps der Crew habe?) und so musste ich statt zu Stehen mit einem Hock bescheißen. Leider war die Kraft im Oberschenkel größer als die Stärke des Sehnenansatzes und es machte BÄNG! Knie kaputt. Das war es dann mit „the vice“ für den Trip. Egal der Trip war trotzdem der Hammer und dann müssen wir halt nochmal wieder kommen.

 

Nachdem ich Andrea überredet hatte, dass es langsam reicht mit den Rocklands (wir hatten 8 Wochen ausgemacht und es wurde trotz Verletzung auch kein Tag weniger) ging es auf einen Roadtrip die Ostküste von Südafrika entlang. Nachdem wir die Garden Route (mega touristischer Bereich der südlichen Ostküste) verlassen hatten, änderten sich die Bebauung und die Menschen drastisch. Das Chaos steigt, man sieht überall nur noch Rundhütten – irgendwie hat man das Gefühl nun richtig in Afrika angekommen zu sein. Weiter sinkt die Anzahl der weißen Bevölkerung hier stark und so werden die finanziellen Diskrepanzen zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung, die in der Kapregion noch sehr ausgeprägt sind, deutlich geringer und es gibt hier auch eine schwarze Mittelschicht, auch wenn die Region insgesamt einen deutlich ärmeren Eindruck macht. Allerdings wird einem, z.B. in Gesprächen mit Südafrikanern, schnell klar, dass Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe in beide Richtungen (sowohl informell, als gesetzlich mit verschiedenen Quoten (nicht nur im Rugby Team)) weit verbreitet ist und noch vieles aufgearbeitet werden muss. Mega schön war auf jeden Fall Port St. Johns, eine Bucht mit (sub-) tropischem Flair, Regenwald, Steilküste und Stränden (auch wenn baden aufgrund von Haien nur mäßig empfohlen ist). Ein weiterer kurzer Stopp war in den Drakensbergen eingeplant, wo wir am Fuße des Sani Passes verweilten. Überraschenderweise war es jeden Tag so schön hier, dass wir am Abend wieder spontan eincheckten. Nachdem wir wirklich gehen wollten fanden wir sogar noch ein Blockfeld und es war einfach zu gut um nicht an den Blöcken zu Bouldern und so wurde geschrubbt und geputzt. Der Sandstein hatte sehr abgefahrene runde Formen, war jedoch etwas weich. Dennoch entstanden ein paar recht coole Boulder. Leider fuhr es mir trotz Tape einmal ordentlich ins Knie und der Spaß hatte dann ein Loch.

 

Unser eigentliches Ziel des Roadtrips war Watervall Boven. Allerdings war die Zeit hier aufgrund unseres etwas längeren Roadtrips eher kurz. Ein paar Routen kletterten wir dennoch und ich boulderte einmal durch die God No wall. Hammer. Perfekter Quarzit und mega ausgesetzt. Leider tat mir das Knie danach so weh, dass ich kaum laufen konnte. Ausnahmsweise siegte nun mal die Vernunft (und Andrea hatte sowieso akute Seilphobie) und wir fuhren lieber in den Krüger Nationalpark. Tiere gucken, statt klettern. Eigentlich ziemlich cool. Und die „big five“ auf der Liste abzuhaken ist auch wesentlich weniger anstrengend als selbiges mit Bouldern zu tun. Und bis auf Leoparden haben wir auch alle gesehen. Coole Viecher. Für die Eindrücke hat es sich auf jeden Fall gelohnt den Weg nach Norden auf sich zu nehmen, auch wenn es klettertechnisch etwas knapp war. Aber da gibt es nur eine Lösung: Wiederkommen.

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