Tom Thudium – STOP #2 Indien

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26. Februar 2018

Indien

Indien, irgendwie hört man viel davon, doch war es für mich schwer einzuordnen was ich davon halten sollte. Viel Chaos, Müll, Gestank, Hitze und unheimlich viele Menschen klingen (bis auf das Chaos) für meinen Geschmack ja eher abschreckend, doch irgendwie schwärmen dann doch so viele von diesem Land. Naja, da hilft nur ausprobieren und hinfahren und da man im Himalaya anscheinend auch ganz gut Bouldern kann, war unser erstes Ziel schnell gefunden.

 

Nach 3 Tagen reisen in Delhi angekommen, wurden wir auch nicht überrascht: es gab viele Menschen, Chaos, Hitze und auch Gestank. Wie immer gut informiert, dachten wir, dass der bequeme Fernbus vom Flughafen losfährt, tat er aber nicht. Also mit jeweils ca.50kg Gepäck (total nötig, wir hatten das 80m Seil ja auch einmal benutzt) durch Delhi gurken. Geil. Da macht es richtig Spaß mal eine indische Straße zu überqueren. Egal, irgendwann waren wir dann am Busbahnhof und ein wirklich netter Inder nahm sich uns an, führte uns zum richtigen Schalter und organisierte uns die Tickets (und das wirklich aus Freundlichkeit, nicht um Trinkgeld zu verlangen. Sehr cool). Der letzte bequeme Bus war jedoch natürlich schon weg und so ging es mit dem ordinary Bus (eher Holzklasse) den Berg hoch. Immerhin war die musikalische Untermalung mit Dudelduetten auf voller Lautstärke typisch indisch. Wir waren allerdings so fertig das wir selbst unter den Umständen etwas schlafen konnten. Am nächsten Morgen ging es weiter mit dem Taxi gen Bouldergebiet. Zum Bouldergebiet selbst werden wir hier keine näheren Infos veröffentlichen, da der Haupterschließer Bernd Zangerl (der wirklich sehr viel Arbeit und vor allem Liebe in die Entwicklung des Gebiets gesteckt hat) noch einige Dinge abklären will und dies zu geeignetem Zeitpunkt selbst übernehmen wird.

Bei der Kletterei handelt es sich um Granit und Gneis der eher der Kategorie beißend angehört, doch sind die Linien teils wirklich sehr cool und mit genügend Ruhetagen hatten wir richtig viel Spaß. Die Atmosphäre war mega gemütlich und auch, dass wir mit Bernd nur zu 3. im Gebiet waren, war ein deutlicher Kontrast zu den ca. 300 Leuten in den Rocklands. Es gibt hier richtig viele bereits erschlossene Sektoren und Gebiete, doch konnten wir auch einige Boulder putzen und erstbegehen und es war ein richtig cooler Mix. Einfach ein großer (Boulder-) Kinderspielplatz.

 

Mein (nicht so ernst gemeinter) Indienplan war eigentlich, Magen-Darm zu bekommen abzunehmen und dann mega stark zu werden. Und ich habe ihn auch ganz gut umgesetzt, nur hat es deutlich weniger Spaß gemacht als gedacht. Weiter ist auf 3000m mein Appetit auch eher meinem Grundumsatz angepasst und so war die Form dann richtig gut. Obwohl die Boulder alle eher kurz und fingerkräftig waren (und ich eigentlich nur steil, länger und körperkräftig kann) konnte ich einiges weghauen und diesen Style etwas besser lernen. Und da es keine wirklichen Grade gab konnte ich mir auch einreden, dass alles sau schwer ist. Ähnlich erging es Andrea, auch sie hatte eine richtig gute Form und konnte vor allem einige coole Boulder von Steffen Kern klettern und ein paar richtig coole Lines erstbegehen. Allerdings hatte sie etwas weniger Glück und musste das ein oder andere Projekt knapp nicht geklettert zurücklassen, während sich bei mir alles in das ich Arbeit gesteckt hatte sehr untypischerweise ganz gut auflöste (auch wenn ich noch ein paar Ideen für coole Lines hatte).

Pünktlich zum Schnee reisten wir ab und hatten die Saison bis aufs Letzte ausgenutzt. Wir waren etwas traurig dieses ruhige Tal, mit seinen netten Leuten, verlassen zu müssen und unsere Reise ging weiter nach Südindien. Nächster Stop Hampi. Obwohl, eigentlich einige Stops und insgesamt 4 Tage Reise. Mit Taxi, Nachtbus, Rikscha, Zügen und Boot ging es über Goa nach Hampi und man kann schon sagen, dass die Zugfahrt ein Abenteuer an sich war. Obwohl wir einmal gut von Trägern abgezogen wurden, oder an Schaltern bis zum geht nicht mehr gedrängelt wurde, waren wir eigentlich von der Freundlichkeit der Inder sehr überrascht. Gut, dass man ständig Selfies machen muss kann schon nerven, doch bekamen wir auch essen ausgegeben, wurden direkt auf Hochzeiten eingeladen und hatten nette Gespräche (wenn das Englisch ausgereicht hat).

 

 

Hampi stand für mich eher unter dem Urlaubsaspekt. Auch wenn ich mich darauf einlassen wollte, Bouldern bei 30 Grad (Celcius nicht Fahrenheit oder so) geht einfach nicht (und wird nicht besser wenn der Fels extrem rau ist). Allerdings gibt es wirklich coole Linien, wie „crystall ball“, oder „Perfekt Crack“, die auch extrem gute Felsquali haben. Weiter ist die Landschaft surreal abgefahren und Bouldern zwischen Palmen, Reisfeldern und Ruinen hat schon was. Kühler ist es eigentlich nur zwischen 6 und 8 Uhr morgens, was mir allerdings nichts bringt, da ich zu dieser Uhrzeit, als bekennender Morgenmuffel, weder Lust noch Kraft zum Bouldern besitze. Allerdings war Andrea gewohnt motiviert und so ging es morgens los und ich musste am Fels dösen, während Andrea munter versuchte. Nach einer Eingewöhnung ging es dann doch halbwegs und Andrea konnte sogar eine 7a bouldern, während ich vereinzelt mittelschwere Boulder bis 7b in den Döspausen machen konnte. Weiter haben wir auch einige wirklich coole Leute getroffen (und einen Volldepp), mit denen wir coole Sessions hatten (also mit den netten Leuten).

Für mich waren allerdings die Ruhetage die Highlights, da an diesen die Landschaft genauso schön war, wir Tempel besichtigten oder in der Hängematte lagen, was mir beides mehr Spaß machte als Bouldern und vor allem mussten wir nicht um 6 aufstehen. Darum hat es sich auf jeden Fall gelohnt, Hampi zu besichtigen und es ist wirklich schade, dass höchstwahrscheinlich alle Backpacker hier bald abgerissen werden und der Flair, den es hier gibt, nicht mehr vorhanden sein wird. Offiziell wird dies mit Schonung der Archäologischen Stätten und der Unesco begründet, doch ist anzunehmen, dass primär wirtschaftliche Interessen in Form von Hotelketten Einfluss nehmen und vor allem kleinere Gewerbe darunter leiden, was extrem bedenklich ist, da hier hunderte von Existenzen ohne Entschädigung zerstört werden und es natürlich vor allem die Ärmsten am stärksten trifft.

 

Zum Abschluss besichtigten wir noch einen Tag Mumbai. In einer Stadt dieser Größe sind die Kontraste Indiens natürlich am deutlichsten zu sehen und Slums wechseln mit Wolkenkratzern und Einkaufsstraßen und Cafés mit vermüllten Gassen, in denen es fürchterlich stinkt. Die touristischen Viertel waren allerdings relativ sauber und es lungerten auch gar nicht so viele Menschen herum, wobei es gut möglich ist, dass dies nicht ganz zwangsfrei geschieht. Trotz all dieser Kontraste und der ungewohnten Art der Inder in ihren Traditionen und ihrem Handeln haben wir uns erstaunlich wohl in Indien gefühlt und auch wenn man nicht alles versteht und sicher auch nicht alles gutheißen kann was hier passiert war es ein Abenteuer aus dem wir denke ich mit weniger negativen Vorurteilen zurückkehren, wie wir hingefahren sind.

 

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