Hotel Supramonte

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25. Juni 2018

Hotel Supramonte

7b+,7c+,8b,8a+,8b,7c,7a+,7b,7b+,7b,6b; 11 Seillängen; Sardinien

Als Anfang Mai der Routenname „Hotel Supramonte“ in der Küche von Familie Hanke das erste Mal fiel, hatten Chris und ich noch nicht geahnt, dass wir uns schon zwei Wochen später auf der Fähre nach Sardinien befinden würden. Da wir beide schon seit längerem von der alpinen Sportkletterroute „Hotel Supramonte“ träumten lag es nahe, das Projekt gemeinsam zu realisieren. Nach einigen Telefonaten und Eilsendungen unserer Sponsoren konnte es endlich losgehen. Um das ohnehin kurze freie Zeitfenster zwischen Chris seinen Trainingslehrgängen und den Weltcups perfekt auszunutzen, haben wir als Abfahrtsort das Kletterzentrum Innsbruck gewählt, an dem Chris noch mit gepumpten Armen zustieg. Nach einer schlaflosen Nacht mit Schlafsack und Isomatte zuerst auf Deck und später wetterbedingt leider unter Deck rollten wir in den frühen Morgenstunden super erschöpft mit unserem Campingbus von der Fähre. Da wir es beide nicht mehr erwarten konnten, fuhren wir direkt ohne Frühstück Richtung Gola di Gorropu und landeten Dank modernster Navigationsmittel erst einmal in einer Sackgasse. Einige waghalsige Wendemanöver später kamen wir endlich am richtigen Parkplatz an. Mit unseren 20-30 kg schweren Rucksäcken machten wir uns schließlich in der prallen Mittagssonne auf den zweistündigen Weg zum Einstieg von Hotel Supramonte.

 

Angekommen in der Schlucht standen wir am Fuße eines beeindruckenden und überhängenden Wandmassivs von ca. 400 Metern Höhe. Nachdem wir den Einstieg von „Hotel Supramonte“ ausfindig gemacht und unserer Material sortiert hatten, sagte uns ein kurzer Blick auf die Uhr, dass nicht mehr viel Zeit blieb bevor es dunkel wurde. Also stiegen wir um 17 Uhr kurz entschlossen ein und checkten die ersten drei Seillängen aus. Die leistige und technisch anspruchsvolle Linkstraverse in der ersten Seillänge (7b+) und boulderlastige Einzelstellen mit unglaublich abwechslungsreichen Zügen in der zweiten Länge (7c+) hatten uns sofort begeistert. In der dritten Seillänge (8b) ging es nach ein paar gemütlichen Klettermetern in einen überhängenden kraftraubenden Riss entlang zu einer speziellen Boulderstelle mit einem Bündelloch. Nach weiteren 20 Metern mit würzigen Einzelzügen erreichten wir bei Einbruch der Dunkelheit begeistert den dritten Stand. Mit Stirnlampen seilten wir uns schließlich in die dunkle Schlucht ab und machten uns nach den ersten Klettermetern im „Hotel“ glücklich und zufrieden auf den langen Rückweg.
Da uns die Anreise noch in den Knochen lag, ließen wir auch den zweiten Tag gemütlicher angehen und erreichten den vierten Stand bei Beginn der Dämmerung. Nachdem Chris bei Einbruch der Dunkelheit noch die ersten Meter der fünften Seillänge (8b) kletterte und vergebens nach einer Lösung an der Crux suchte, seilten wir auch an diesem Tag wieder mit Stirnlampe um 22 Uhr in die tiefe Schlucht ab.

Ein entspannter Ruhetag in Cala Gonone kam uns beiden sehr gelegen. Deshalb verbrachten wir den dritten Tag mit Einkaufen und Kochen am Meer.
Chris konnte die ersten Längen am Vortag schnell und souverän klettern und wollte deshalb am nächsten Tag einen Durchstiegsversuch wagen.
Am vierten Tag klingelte uns der Wecker um fünf Uhr morgens aus dem Bett. Nach einer leckeren Portion Porridge machten wir uns auf den Weg in die Schlucht. Die Morgensonne spitzelte schon um die Ecke, als wir um neun Uhr startklar am Einstieg standen. Chris kletterte schnell über die ersten beiden sonnigen Längen. Glücklicherweise verschwand die Sonne relativ schnell, sodass der Überhang ab der dritten Länge größtenteils im Schatten war. Auch die nächsten beiden Längen konnte Chris souverän durchsteigen, sodass wir die Schlüssellänge am frühen Nachmittag erreichten. Nachdem Chris zuerst an der Crux fiel und dann aber eine gute Lösung ausgebouldert hatte, kam er zurück zum Stand und kletterte auch die fünfte Seillänge ohne Probleme.
Als wir nach der siebten Seillänge am „Hotel“ um 19:30 ankamen, blieb nicht mehr viel Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit. Vier Seillängen hatte wir noch vor uns und wir wussten nicht was auf uns zukommen würde. Deshalb beschlossen wir auf dem kleinen Band mit Daunenjacken, Biwacksäcken und den Seilen als Isomattenersatz zu biwakieren.
Nach einer kalten und windigen Nacht in der Wand, startete Chris mit den ersten Sonnenstrahlen in die letzten vier Seillängen. Überglücklich kamen wir mittags am letzten Stand an. Chris hat sich mit dem Durchstieg einen Kindheitstraum erfüllt!

 

 

Die darauffolgenden Tage ließen wir etwas langsamer angehen. Sonne tanken am Strand stand ganz oben auf dem Tagesplan. Zuerst holten wir noch Ray Demski vom Flughafen ab. Der nächste Tag war als Shooting-Tag eingeplant und anstrengender als erwartet. Das Gute war, dass ich die unteren Längen noch mal anschauen und eine gute Lösung in der Schlüssellänge ausbouldern konnte.
Drei Tage nachdem Chris „Hotel Supramonte“ durchgestiegen ist, waren wir zurück in der Schlucht! Pünktlich um Neun standen wir für meinen Durchstiegsversuch am Einstieg. Die ersten Längen gingen trotz Sonne im Rücken sehr zügig. Schon am späten Vormittag erreichte ich sturzfrei den vierten Stand. Allerdings machten sich die ersten vier Seillängen schon bemerkbar und die zweite 8b Schlüssellänge lag noch vor uns. Nach einer kurzen Pause und einer kleinen Stärkung machte ich mich für die fünfte Seillänge bereit. Dann wurde es spannend! Nach einem großen Kampf über die Schlüsselstelle kam ich überglücklich am nächsten Stand an und sicherte Chris nach. Die schwersten Längen hatten wir nun hinter uns, jedoch auch noch ein paar knifflige vor uns. Glücklicherweise lagen wir an diesem Tag gut in der Zeit. Das Hotel erreichten wir am späteren Nachmittag. Nach einer weiteren kurzen Pause machte ich mich an die letzten vier Seillängen. Auch diese konnte ich sturzfrei klettern und erreichte um acht Uhr abends das Top von „Hotel Supramonte“. Als Chris kurz darauf oben ankam, waren wir beide super glücklich. Wir hatten es geschafft! Mit strahlenden Augen machten wir uns zurück auf den Weg in die Schlucht.

Für uns beide ist die Rotpunktbegehung von „Hotel Supramonte“ von großer Bedeutung!

Bilder: RAY DEMSKI

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