Scarpa News

04.05.2012 Padani 2012...

13.12.2011 Fotos von der DM...

Michi Wärthl mit Ski auf der Shisha Panama (8027m)

11. Juli 2011

„Und stündlich ändert sich das Wetter“

Ein Wechselbad der Gefühle ist das, ständig ändert sich unsere Wetterprognose für den Gipfelgang an der Shisha Pangma.
Am 10.05. brachen wir bei bester Wettervorhersage im Basislager aus. Ralf Dujmovits sagte uns bestes Gipfelwetter vom 11.05. - 15.05. voraus. Jeder Tag sollte ein Gipfeltag sein, ungewöhnlich gut, eigentlich.

Wir pickten uns den Freitag den 13. Mai heraus, der passte vom Wetter und ließ uns noch ein paar erholsame Ruhetage im Basislager.

10.05. Basislager – Lager 1
Alles lief perfekt an diesem Tag, das Wetter passte wir kamen gut voran, außer dass es in der Nacht geschneit hatte und ich wieder alles Spuren durfte, war es ein super Tag. Wir kamen alle um die Mittagszeit im Lager 1 an und hatten somit noch genug Zeit um Schnee zu schmelzen und zum Essen und Trinken zuzubereiten. Einfach um Kraft zu tanken. An diesem Tag probierte eine Schweizer Gruppe den Gipfel, leider klappte es nicht wie wir am Abend erfuhren, als sie, etwas betrübt, in Lager 1 ankamen. Auf ca. 7600m sind sie im Schnee stecken geblieben. Einerseits ist das natürlich schlecht, wir wissen nun das es tiefen Schnee dort oben hat, andererseits haben wir nun die Hoffnung auch direkt vom Gipfel mit den Skiern abfahren zu können.

11.05. Lager 2
Der Tag begann wieder strahlend. Ich durfte wieder einmal spuren. Nach knapp zwei Stunden begann es überraschend zuzuziehen und bald darauf stand ich im Schneesturm. Zum Glück konnte ich noch eine alte Spur erkennen und fand so mühelos zum Lagerplatz. Hans kam eine halbe Stunde nach mir an und hatte meine Spur zur Verfügung. Alois erwischte es nicht so gut, bei 2m Sicht und keiner Spur mehr tat er sich recht schwer das Lager zu finden. Er irrte eine Weile in der Nähe der Zelte umher bis ich ihn dann schließlich entdeckte und zum Lager lotsen konnte. Wir packten sofort das Sattelitentelefon aus und riefen Ralf an, das war irgendwie nicht so geplant. Wir baten um ein Wetterupdate. Leider hatte sich der Wetterbericht verschlechtert, ein Ausläufer des Jetstreams lag nun genau über uns und bescherte uns dieses unbeständige und recht windige Wetter. Der 13. Mai sah aber weiterhin nach Gipfeltag aus, allerdings nun mit Windgeschwindigkeiten bis zu 50 km/h, was in dieser Höhe schon recht viel ist und die Möglichkeit von Erfrierungen deutlich erhöht. Wir waren nun schon leicht nervös.

12.05. Lager 3
Wir starten wieder so um 8 Uhr in der Früh, es war warm, wenig Wind zumindest auf knapp 7000m, am Gipfel tobten die Schneefahnen. Das sah gar nicht gut aus. Nach 5 Stunden spuren, quälen und Skier auf dem Rucksack tragen, kam ich ziemlich fertig auf 7400m an, unserem Platz für Lager 3. Ein sehr schöner Platz, exponiert nach jeder Seite offen, deshalb leider auch dem Wind recht ausgesetzt. Als ich ankam wehte nur ein Lüftchen, so konnte ich alleine ein Zelt aufbauen und mich sofort ins warme „Nest“ legen. Nach einer Weile lagen wir dann zu dritt im 2 Mann Zelt und warten auf Pasang unseren treuen Sherpa der das zweite Zelt bei sich trug. Als er endlich ankam war es schon nicht mehr so gemütlich ein Zelt aufzubauen. Der Wind nahm ständig zu und erreichte seinen Höhepunkt irgendwann kurz vor Morgengrauen, als wir uns schon für die Gipfeletappe fertig machten. In Böen wird er sicher bis zu 60 km/h erreicht haben.

13.05. Gipfeltag
Um 5 Uhr wollten wir starten. Pasang und ich fingen um 3.30 Uhr das Kochen an. Unser Zelt, das kleine 2 Mann, war eine einzige Schneehöhle. Überall war es weiß, von unserer kondensierten Atemluft, es rieselt dauernd auf einen herunter und binnen Sekunden ist alles patschnass oder gefroren. Es macht also riesig Spaß in so einem Zelt um 4 Uhr früh ein kleines Frühstück zuzubereiten und sich für den Gipfeltag vorzubereiten. Gleichzeitig meint man noch das Zelt fliegt einem in dem Sturm gleich um die Ohren. Doch die Hoffnung stirb zuletzt und so machten wir stur nach Plan weiter. Nicht so unser Zelt #2 mit Hans und Alois, die sahen die Sache nicht so optimistisch. Um 5 Uhr dann der erste Schritt vors Zelt. Sekundenspäter sind wir wieder drin. Zu kalt, wir warten besser noch ne halbe Stunde auf die Sonne. Mit ihren wärmenden Strahlen geht es vielleicht, reden wir uns ein. Und siehe da es hilft tatsächlich, Pasang und ich laufen los, zur Überraschung unserer Zeltnachbarn die jetzt in Hektik verfallen um uns zu folgen. Die Ski lasse ich aufgrund der schlechten Bedingungen lieber am Lager 3 stehen, kein Fehler wie sich noch herausstellen sollte. Vor uns sind schon zwei Spanier mit ihrem Sherpa Pasang unterwegs, sie hatten das Lager etwa 200 Hm unter unserem bezogen und sind nun schon fast 4 Stunden unterwegs, nur 50 Hm über unseren Zelten. Der Sherpa spurt vor den beiden Spaniern. Schon bald laufen wir hinter der Gruppe und bald übernehme ich einmal die Spurarbeit. Diesem starken Sherpa verdanken wir an diesem Tag einen Großteil des Erfolgs. Immer wieder wechseln wir zwei uns beim Spuren ab. Unheimlich zäh und anstrengend gestaltet sich der Aufstieg. Der Schnee hat einen harten Deckel, durch den man bei jedem Schritt durchtreten muss. Nach 6 ½ Stunden stehe ich ziemlich platt auf dem äußerst fragilen Zentralgipfel der Shisha Pangma.

Kurz darauf kamen auch die beiden Pasangs und die beiden Spanier. In dem Zustand wäre ich wohl kaum fähig gewesen die sehr tückischem 40 Grad steilen windverpressten Hänge hinunterzufahren, geschweige denn ich hätte die Skier auch noch hier herauf schleppen wollen. Den beiden anderen erging es leider nicht so gut. Alois dreht nach nur 100 Hm um, es war ihm zu kalt, er hatte Problem mit Händen und Füßen, kein Wunder bei diesem Wind. Für Hans war auf 7800m Schluss. Keine Kraft mehr und der Gipfel einfach noch fast zwei Stunden entfernt. Schade, denn beide hätten locker die Kraft gehabt den Gipfel an einem schönen Tag zu erreichen.

Aber das war nun nur die halbe Miete, wir mussten ja alle noch herunter von diesem Hügel. Lager 1 war unser Ziel, so weit herunter wie es nur geht. Mit unseren Skiern auf Lager 3 sollte das ja auch kein Problem sein, dachten wir. Aber wir hatten die Rechnung ohne den Wind gemacht. Der machte aus unserem schönen Pulver ein derart, besch… zu fahrendes Zeug, das wir uns doch recht plagen mussten um mit den schweren Rucksäcken einigermaßen sicher ins Lager 1 abzufahren. Wir schafften es, auch weil wir auf Skitourenschuhe gesetzt hatten, die uns jetzt den nötigen Halt gaben um einigermaßen vernünftig abfahren zu können.

Der F1 mit Thermofit Innenschuh hatte sich wirklich bewährt. Keine Kälteprobleme und eben eine super Performance in jedem Gelände, wir haben die klobigen Expeditionsschuhe nie vermisst. Wir waren ganz schön bedient, als wir in Lager 1 ankamen. Zum Glück war Rainer, netterweise noch einmal heraufgekommen und half uns beim Abtransport von Material von Lager 2 hinunter. Eine enorme Erleichterung. Nebenbei hatte er an diesem Tag auch noch den Siebentausender bestiegen, den ich schon in der Woche zuvor bestiegen hatte. Ohne viel zu Essen, nur noch etwas zu Trinken fielen wir sofort in einen unruhigen Schlaf, wie so oft, nach so erlebnisreichen, anstrengenden Tagen.

14.05. Basislager
Nach einer weiteren, noch schwerer bepackten Abfahrt zum Gletscherende, stand uns nur noch der mühsame Moränenabstieg ins Basislager bevor. Auch diesen meisterten wir noch, wenn auch ganz schön stöhnend unter unseren schweren Rucksäcken. Wir wollten so viel wie möglich zurückschleppen, nur um diesen grausamen Weg nicht mehr gehen zu müssen.

Am Abend gab es dann unsere private kleine Gipfelparty mit einem standesgemäßen Kuchen von Sitaram unserem hervorragenden Koch.

Eine super Expedition geht nun zu Ende, wir sind gerade am zusammenpacken des BC und werden es vermutlich am Dienstag verlassen. Respekt nochmals über Rainers Blitzbesteigung mit Skiabfahrt, da hat wirklich alles gepasst. Ich bin natürlich auch froh oben gewesen zu sein, allerdings war es ein bisschen Schade, dass der Hauptgipfel bei diesen Bedingungen schier nicht zu erreichen war. Lawinensurfen auf 8000m hätten wir dort testen können, nur die wenigsten können heute noch davon erzählen.
Ich bin froh dass alle wieder gesund nach Hause fahren, die Hügel stehen ja noch länger herum und dann kommen wir halt wieder um einer wirklich sinnlosen Tätigkeit nachzukommen, die aber unheimlich Geil ist!

Michi

Zurück