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03. Dezember 2010
Ein Trip nach Sizilien zum Klettern ist nicht erst mit dem Erscheinen zahlreicher Artikel in den diversen Klettermagazinen entstanden. Nein, schon früher veröffentlichte Fotos, sowie der Alte Führer haben unser Interesse geweckt. Die Qualität der Klettereien sowie das enorme Potenzial auf der Insel wird noch sehr viele „Hilti’s“ kommen und gehen sehen....
Unzählige neue glänzende Bolt’s in neuen Wänden bestätigen dies bereits.
Nach der Landung in Palermo sind unsere Blicke auf die mit bis zu mehreren Hundert Meter hohen, grauen und roten Wände gespickt mit Sintern gerichtet. Die Hände sind bereits feucht ... Haben wir auch genügend Chalk eingepackt!?
Wir das sind der Reiner aus Kaufbeuren, Francis aus Boulder/Colorado und ich, Ralf aus dem Allgäu/Chamonix auf unserem „Bergführer Ausflug“.
Auch bei der einstündigen Fahrt nach San Vito Lo Capo, reißen die Wandfluchten nicht ab. Ohne Straßenkarte jedoch kann’s auch mal etwas länger dauern ...
Dort angekommen stellen wir gleich fest, die Voraussetzungen sind einfach perfekt. Klettern mit Blick auf das azurblaue Meer bei angenehmen Temperaturen und Gelato gibt’s hier satt.
Eingecheckt wird im El Bahira Camping, ca.5 km außerhalb von San Vito. Kletterer werden dort nicht nur geduldet, nein, es gibt für uns einen 20%igen Discount, auch für Bungalows, die das ganze Jahr geöffnet sind.
Am nächsten Morgen klettern wir ein paar Routen direkt hinterm Camping. Schon in der ersten Route wackelt(!?) ein Haken ...Ein Ausreißer!? Leider nicht! Das Modell: ein„self-made“ Klebehaken, der eher aussieht wie gebogener Draht… Nur gut, dass nicht alle Erschließer dieses Material verwendet haben.
So klettern wir noch einige sehr schöne Routen, aber immer mit einem etwas skeptischen Blick auf die Qualität der Bolt’s. An der circa.4 km langen und bis zu 70 m hohen Wand bewegt man sich immer in Meeresnähe, zur besseren Orientierung ist sie in mehrere Sektoren mit verschiedenen Zugängen aufgeteilt. So finden man an dem überwiegend nach West/Südwest ausgerichteten Felsriegel Routen in fast allen Schwierigkeitsgraden.
Nach dem Führerstudium am Abend sind wir uns schnell einig, morgen müssen wir unbedingt zur „Crown of Aragorn“! Diese Wand scheint einfach perfekt....
Dass bereits die Sonne um 9:30 die komplette Wand bestrahlt ist allerdings nicht unser Planungsfehler. Nein, der Autor hat Süd mit West verwechselt ...
Nach den ersten Klettermetern ist eines klar, Aragorn werden wir noch einen weiteren Besuch abstatten. Fast alle Routen hier sind ein absolutes Muss! Doch jetzt schweift unser von der Hitze schon getrübter Blick gerade immer wieder auf die gegenüberliegende Schattenwand…
Noch am selben Abend, Internet sei dank, ist das Geheimniss gelüftet: Es handelt sich um den nigelnagelneuen Sektor „Cinema Panorama“. Am nächsten Morgen stehen wir mit Topo unter der Wand.
Die Erschließer haben hier super Routen, mit gut platzierten Edelstahl Ankern hinterlassen. Jedoch ist alles noch so neu und kaum geklettert, dass die Angst mit einem der Stalaktiten abzutauchen eine nicht unerhebliche Spaßbremse darstellt – aber das wird sich mit der Zeit geben.
Nach einem Ruhetag am Strand, sowie den div. obligatorischen Gelati, wälzen wir erneut den Führer auf der Suche nach der „Never Sleeping Wall“. Nur steht sie unter diesem Namen nicht im Topo. So bestätigt sich mal wieder der dumme Spruch: “Wer lesen kann ist klar im Vorteil.....“
Von San Vito geht’s also in einer 20-minütigen Fahrt nach Custonacci und noch ein paar km weiter bis direkt unter die westseitig exponierte Wand. Am Parkplatz ausgestiegen, entfährt uns erst einmal ein „Wow “... die Bilder in unseren Köpfen, im www und div. Magazinen entsprechen der Realität - hier wurde definitiv nicht mit Photoshop gearbeitet..
Was für tolle Linien haben die Tiroler hier eingebohrt, auch die Bolts und ihre Platzierung lassen Profis erkennen. Danke!
Schon jetzt wird die Route„Tears of Freedom“ als die vielleicht schönste 7a+ der Welt gehandelt! Nur soviel sei gesagt, eine außergewöhnlich schöne Linie. Da hilft nur selber anschauen…!
Für den extra Kick jedoch sorgen die immer wieder die Wand absuchenden Hornissen. Letztendlich stellen sie sich aber als friedlich heraus und verschwinden bei Sonneneistrahlung, so wie wir auch....
So und jetzt geht’s erst einmal hinunter ans Meer.
Die Tage in San Vito verrinnen viel zu schnell und der Rückflug ist auch bald schon in Sicht. Von einem Local wird uns der „Bauso Rosso“ als einer der besten Felsen rund um Palermo empfohlen, damit steht das Programm für den letzten Klettertag auf Sizilien fest. Wand und Routen sind tatsächlich ziemlich genial, nur dass es sich hier um ein voll wintertaugliches Gebiet handelt, das hat er uns nicht gesagt…
Eigentlich keine Überraschung hier so was zu finden, hat uns doch schon vor dem Abflug ein Freund mit folgenden Worten verabschiedet: “Habt ihr Deppen eigentlich schon mal eine Karte angeschaut? Sizilien, das liegt doch fast bei Afrika....!“
So wird der letzte Tag eine kurze Vorstellung, die Sonne setzt uns bereits um 11 Uhr derart zu, daß die Konzentration auf null sinkt und sich unsere Gedanken nur noch mit Eis und Meer beschäftigen. So wird eben der obligatorische Besuch in der Trattoria „Il Delfino“ das heutige Highlight. Lasst euch das nicht entgehen, wenn ihr schon mal da seid!
Top Tipp: Kommt später im Jahr und wer länger bleibt, bringt besser eine Bohrmaschine mit!
Ralf Tenbrink
Infos:
Kletterinfos/Neutouren:
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