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24. April 2012
Am Mittwoch treffe ich mich mit Johann Rampl (Bundestrainer) am Flughafen in München um gemeinsam nach Tromsö (Nor) zu fliegen. Um 12.30 gehen wir in die Luft, nach einen kurzen Aufenthalt in Oslo geht's die letzten 2 Stunden weiter Richtung Norden. Als wir zur Landung ansetzen und die Wolkendecke durchbrechen können wir uns erste Eindrücke von der Landschaft verschaffen. Es sieht aus wie ein kleiner Flickerlteppich, das Festland wird durch die unzähligen Fjorde unterbrochen was nicht nur aus der Luft wahnsinnig gut aussieht. Wir steigen aus dem Flieger aus und ich bin froh um meine Daunenjacke... ca -5°C und etwa 40cm geschlossene Schneedecke. Wir beziehen unser Hotel, kommen gerade noch rechtzeitig zum Abendessen danach fallen wir hundemüde in unser Bett.
Am Donnerstag wachen wir bei besten Wetter auf und nach dem Frühstück geht's mit den Bus in ein kleines Skigebiet wo wir etwa bis Mittag trainieren, das Wetter ist gigantisch und auch die Schneelage könnte nicht besser sein, da in der Nacht etwa 15cm Neuschnee gefallen ist. Der Freitag sieht vom Ablauf ähnlich aus, nur dass das Wetter diesmal nicht mitspielt. Schneeschauer, Wind und schlechte Sicht...
Am Abend gehen wir noch ein paar Meter in die Stadt und verschaffen uns einen Überblick über die Sprintstrecke. Start ist am Hafen und geht ca 40 flache Höhenmeter direkt in die Stadt hinein, überall große Schneehäufen die weiter wachsen, da ein Lastwagen nach dem anderen Neuschnee in die Stadt karrt. 'Das wird interessant' denk ich mir.
In dieser Nacht schlafe ich schlecht und bin froh als mich der Wecker am Morgen aus dem Bett reißt. Es ist 8 Uhr, meine Startzeit für die Quali, 12:10. Ich wachse noch meine Ski und um kurz vor 11 bin ich auf dem Weg in die Stadt.
Es ist wirklich gigantisch was das Organisationskomitee auf die Beine gestellt hat, ein extrem interessanter Kurs ist da über Nacht entstanden. Nach nen flachen Start geht's in ausgesteckte Spitzkehren, noch ein kurzes flaches Stück dann geht's in die steile Tragepassage, Ski wieder anschnallen noch 15 Höhenmeter zum Scheitelpunkt, Fellwechsel, kurze Abfahrt über 20 Höhenmeter nochmal 10 Hm skaten, dann geht's knapp 50 Höhenmeter hinab ins Ziel. Ich kann mich mit dem sehr technischen Kurs gut anfreunden und freue mich auf den Wettkampf.
In der Fußgängerzone wärme ich mich noch etwas auf bevors an den Start geht.. die Uhr läuft, noch 10 sec. Go! Der Start gelingt mir sehr gut, auch die Spitzkehren bringe ich schnell hinter mich, in der Tragepassage hab ich eine tiefere Spur erwischt aber auch die liegt schnell hinter mir, Ski anschnallen, nochmal nen Gang einlegen, schneidiger Wechsel und schon geht's abwärts... Mein Gefühl für den Lauf ist nicht schlecht, wenig später erfahre ich dass ich mit ca 8 sec. Vorsprung die Bestzeit von 2.24 gelaufen bin, es ist zwar ein gutes Gefühl zu wissen dass ich die Bestzeit halte, allerdings stehen jetzt erst die Quarterfinals an wo dann auch Mann um Mann gekämpft wird.
Die Listen für das Viertelfinale hängen aus und ich erwische ein gute Gruppe, kurz drauf stehe ich mit 5 anderen Athleten am Start, das Herz klopft, Adrenalin pur...30 sec. ... danach fällt der Startschuss. Angefeuert von weit über 500 Zuschauern kann ich mir gleich die Pole Position sichern und führe den Lauf komplett an, mit guten 5 sec. Vorsprung sichere ich mir einen Platz im Halbfinale.
Wieder erwische ich eine gute Gruppe, diesmal allerdings mit stärkeren Athleten besetzt. Der Schuss fällt, ich komme etwas verzögert vom Start weg kann mich aber schnell an die Spitze zurückkämpfen und beende diesen Lauf als erster. Auch das Halbfinale kann ich souverän für mich entscheiden.
Die Anspannung wächst von Lauf zu Lauf an, jetzt stehe ich unter den besten 6 Sprintern an einer Linie...der Schuss fällt, wieder führe ich den Lauf an, bringe alle technischen Passagen gut hinter mich. Ich erreiche die finale Wechselzone mit etwa 3 sec Vorsprung, ziehe beide Felle ab möchte sie in meinen Rennanzug verstauen, dann verklebt sich das Ende des Fells an meinen Anzug, ich muss noch ein paar Handgriffe erledigen bevor ich die Wechselzone verlassen darf, fast zeitgleich gehen der Schweizer Marcel Marti und ich in die Abfahrt über. Er ein Stück vor mir. In der Skatingpassage versuche ich an ihn vorbeizukommen doch es gelingt mir nicht ganz. Dicht hinter Marcels Windschatten attackiere ich nochmal, schlussendlich werde ich mit einer guten Sekunde Rückstand zweiter.
Auch wenn die Goldmedaille schon so nah war, freue ich mich riesig über das Ergebnis. Silber bei den Herren, Gold in der Kategorie Espoir (U23).
Am Sonntag wartet noch das Singlerennen. 1900 Höhenmeter auf 4 Anstiege verteilt. Auf den Ergebnislisten sehe ich das ich nach dem Sprintergebniss momentan auf den 3en Rang im Gesamtweltcup (U23) stehe. 'Heute gilts'
Der erste Anstieg verläuft durch einen lichten Birkenwald, schon bald erreichen wir eine übersichtliche Hochebene und kurz drauf befindet sich die erste Wechselzone. Ich gehe als ca 12er in die Abfahrt, folge zwei Italienern und einen Franzosen, wir fighten und lassens ordentlich im Pulverschnee hinunterkrachen. Doch plötzlich schreit einer auf 'Stop, we had to go right' uns wird klar dass wir uns verfahren haben und müssen nun gute 3 min zur Wechselzone hinaufspuren. Als wir im knietiefen Pulver unsere Felle aufziehen schauen wir uns an und müssen lachen.. 'Naja shit happens, zumindest warens paar geile Schwünge' denk ich mir..Wenig später sind wir zurück im Rennen ich finde mich an Position 22 wieder und ärgere mich. Meinen 3en Rang im Gesamt WC kann ich mir abschminken,..
Auf den folgenden 2 Anstiegen kann ich noch 4 Athleten überholen und hoffe auf die letzte Abfahrt mit 1200 Höhenmetern. Kurz vor der Wechselzone brennen die Oberschenkel, der gestrige Sprint steckt noch sakrisch in den Haxen. Jawoll, jetzt gäds owe! Schon bald kann ich mir einen Schweizer packen, wenig später nochmal einen und kurz vor den letzten Wechsel schnupfe ich noch einen Franzosen, nun noch einmal auffellen und 15 Höhenmeter ins Ziel.
15er Gesamt, 5er in der U23.
Am Nachmittag kann ich auf den Ergebnislisten einsehen dass ich im Gesamtweltcup 12er bei den Herren werde, 3er in der U23. Der Ehrgeiz nach dem Verhauer in der Abfahrt hat sich somit voll und ganz ausgezahlt.
Für mich liegt eine wunderbare Saison hinter mir und ich freue mich riesig über die Erfolge im wunderschönen Tromsö.
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