Manuel Brunn – The Essential 9a

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16. Oktober 2013

Ein durchwachsener Rückblick

Dieses Jahr lässt mich wirklich staunen. Schlechte Bedingungen in Franken und 3 Monate Arbeiten in Amerika deuteten eigentlich auf ein eher erfolgloses Kletterjahr hin. So verbrachte ich bis Mai mehr erfolgreiche Tage in Fontainebleau als an fränkischen Felsen. Zusammen mit Daniel Jung wollte ich im Frühjahr eigentlich The Essential in Burggrub klettern. Jahrelang habe ich einen großen Bogen um diese, wie ich finde, extrem schwer und für mich unmachbar erscheinende Route gemacht. Mit den Brüdern Jung beim Klettern zu sein, ist allerdings immer ein riesen Spaß und so ließ ich mich recht schnell überzeugen.
Dann kam allerdings alles anders als gedacht. Sehr kurzfristig habe ich von einer amerikanischen Beratungsfirma ein Angebot für den Sommer bekommen. Und Zack – zwei Wochen später saß ich schon im Flieger nach Boston. Dort lebte ich auf einer privaten Insel direkt vor der Stadt. Wunderschön, idyllisch und nichts als Strand und Meer um mich herum, was mich anfangs klettermäßig eher verzweifeln ließ. Nach und nach lernte ich allerdings immer mehr Kletterer aus New England kennen. Und so ergab sich, dass ich sehr viel Zeit mit Trad Klettern verbrachte. Friends und Keile, selbst gebaute Stände und Doppelseil hießen meine neuen Herausforderungen in Rumney, Cathedral, Canon oder Farley Ledge. Das waren wirklich tolle neue Erfahrungen: Sehr spannend, gefährlich und manchmal auch etwas zu viel an Grenzüberwindung…
Im September kam ich schließlich zurück und wurde von 2 Wochen fast durchgängigem Regen begrüßt. An The Essential war erst mal nicht zu denken. Und so verbrachte ich ein paar Tage am Schiefen Tod, dem trockensten Flecken der Fränkischen. Dort gelang mir dann zu meiner eigenen Überraschung eine recht schnelle Wiederholung von Markus Bock’s Route I bleed black, 8c+.
Seit fast 4 Monate hatte ich keine wirklich kleinen Griffe außer Granitrisse und -kanten in der Hand gehabt und trotzdem fühlte ich mich deutlich besser am fränkischen Fels als nach dem kompletten Boulderwinter. Das Klettern ist wirklich zum Staunen manchmal…
Die Motivation für The Essential stieg und auch der Herbst schien langsam in der Fränkischen angekommen zu sein, was mich wieder nach Burggrub pilgern ließ. Die typisch fränkische Route – leicht überhängend, kleine Ein- und Zweifingerkuppenlöcher zum Stellen und eher spärliche Trittauswahl – fühlte sich gleich super an. Die Schlüsselsequenz, ein flaches Zweifingerloch auf ein etwas besseres Loch mit seltsamer aber unausweichlicher Körperposition, lief optimal. Nur der Einstieg lief sehr schleppend. Im Vergleich zu Daniel, der die Route in meiner Abwesenheit im Sommer schließlich geklettert hatte, fiel mir der Einstieg extrem schwer. Überhaupt, mit Daniel zu klettern ist wie mit meinem Counterpart zu klettern. Alles was mir schwer fällt, fällt ihm leicht und umgekehrt. Es dauerte 4 Tage, bis ich eine komplett andere Lösung für die tief liegenden Tritte gefunden hatte. Dann ging es aber sehr schnell. Schon im übernächsten Versuch konnte ich die 16 Züge von The Essential zu meinem Erstaunen zusammenhängen.
Eigentlich ist der Herbst ja noch nicht vorbei. Auch wenn es jetzt wieder angefangen hat zu regnen. Mal sehen was die letzte Jahreshälfte noch bringt. Das Klettern in Franken ist wirklich manchmal zum Staunen…

Photos by Markus Bauer

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