Sarah Seeger – Drei Wochen Bouldern in Südafrika

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4. März 2014

Ein Boulderurlaub in den Rocklands ist längst kein exotisches Unterfangen mehr. Im Internet finden sich unzählige Videos über die Region, Gebietsvorstellungen lassen sich in jedem einschlägigen Klettermagazin nachlesen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis war ich eine der wenigen Ausnahmen, die noch nicht zu den gold-braunen Sandsteinfelsen gepilgert waren, eine Reise dorthin gehört inzwischen beinahe schon zu den „normalen“ Standard-Boulderzielen.
Zugegeben, der Hype um dieses Gebiet hatte mich immer ein wenig abgeschreckt. Kann es denn wirklich so gut sein oder hat die Macht der im Netz veröffentlichten Bilder und Videos vielleicht doch eine etwas zu starke Eigendynamik entwickelt? Nach meinem ersten Trip in die Rocklands im vergangenen Sommer weiß ich: Es ist tatsächlich so gut und in jedem Fall eine Reise wert!
Ich kann jedem nur empfehlen, bei Tageslicht in die Rocklands anzureisen. Die Anfahrt aus Kapstadt ist bei guter Sicht ein wahrer Genuss, selbst wenn man 20 schlaflose Stunden Anflug inklusive Stop-Over-Reizüberflutung am Dubaier Flughafen hinter sich hat. Begrüßt wird man vom Anblick des Tafelbergs, die Weite, durch die man auf der breiten, wenig befahrenen, sich in den Hügeln in der Ferne verlierenden N7 nordwärts gleitet, entspannt augenblicklich. Irgendwann beginnen sich die gezackten Konturen der Cederberg Mountains abzuzeichnen, hinter den endlosen grünen Weiden, auf denen die ersten Blumenfelder des südafrikanischen Frühlings blühen. Ab und zu eine rostige Windmühle, eine Straußenfarm signalisiert: man ist in Afrika angekommen.
Nachdem Clanwilliam passiert ist, geht es im Sonnenuntergang die letzten Kilometer bergauf zum Pass und plötzlich ist man mittendrin im Blockmeer. Golden leuchten die zahllosen Felsen; fantasievolle Sandsteingebilde, so weit das Auge reicht. Eine Pavianhorde überquert die Straße, bunte Vögel schwirren durch die Luft. Der Himmel leuchtet erst blau, dann golden, rot und schließlich violett.
Der Zauber des ersten Tages zieht sich durch die folgenden drei Wochen, in denen wir Sektor um Sektor entdecken, Boulder für Boulder klettern, Zug für Zug ausprobieren. Immer wieder bleiben wir auf dem Weg zum nächsten Block stehen, lassen uns ablenken von den endlosen Hügel- und Bergketten, von den bunten Blumenteppichen, den kleinen und großen Tieren, die unsere Wege kreuzen, von immer wieder neuen landschaftlichen Überraschungen und den im Tagesverlauf wechselnden Farben des Himmels. Auch wenn man diese Bilder bereits von Videos und Fotos zu kennen scheint – es ist ein Glück, dies alles selbst zu erleben.

Fotos by Layla Mammi

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