Lena Herrmann – Sommertrip 2014

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9. September 2014

Damit ein Trip unvergesslich wird, bedarf es nicht viel. Ich setze meine beste Freundin ins Auto, tanke voll und fahre mit meinem wannabe-Rennauto in ein wunderschönes Klettergebiet wo weitere wunderbare Freunde aus verschiedensten Ländern warten. Genau das habe ich diesen Sommer lang getan.
Der erste Stop war das Oldschool-Klettergebiet Ceüse, zu dem sich bei mir im vergangenen Jahr eine gewisse Hassliebe entwickelt hat. Ein jeder der selbst schoneinmal dort war, weiß genau wovon ich spreche: Der unglaublich angenehme und kurze Zustieg inmitten einer frischen Briese der französischen Sommerluft und die sehr dankbaren Touren die man mal „so eben“ macht.
Wenn man darauf vorbereitet ist, dass man genau das Gegenteil zu erwarten hat, backt man erstmal ganz kleine Brötchen beim Klettern.
Nach einer knappen Woche Einklettern und Einlaufen ging es dann los. Ich liebe es, Routen zu projektieren. Onsight und Flash hingegen probiere ich quasi nie. Daher habe ich mich von den unglaublich beeindruckenden Linien inspirieren lassen und ersteinmal die Klassiker „L’ami caouette“ und „Femme Blanche“ sehr schnell klettern können. Besonders die zweite ist wahrscheinlich die schönste Route die ich je geklettert bin. Ich mag Touren, in denen man bis zum Umlenker noch sehr viel Konzentration wahren muss. Die Ausstiegsplatten sind nicht schwer, aber leicht sind sie nunmal auch nicht 😉 Ein weiteres Projekt musste ich leider zurück lassen, zwei Wochen gehen dann doch schneller rum als gedacht.
Ganz spontan kam die Idee, weiter nach Rodellar zu fahren. Um die Frage schon zu beantworten bevor sie gestellt wird: Nein, im August ist es nicht zu warm um in Rodellar zu klettern. Man braucht natürlich Wetterglück, aber das braucht man immer. Unsere ersten Tage waren gespickt von stehender Luft und Regen, da wünschten wir uns Ceüse zurück. Aber auch der Wetterumschwung ließ nicht lange auf sich warten und ich war froh, meine Daunenjacke griffbereit zu habe.
In Rodellar bin ich schon sehr oft gewesen. Ich liebe die Landschaft, die Atmosphäre und die Kletterei. Diese ist eigentlich nicht das, was mir als Plattenschleicher liegt, daher hatte ich auch jedes Jahr einen gewissen Respekt davor, sehr schwere Routen zu projektieren. Aber dieses Jahr war es anders. Ich bin schon zuvor von einer speziellen Linie beeindruckt gewesen. Eine sehr, sehr überhängende, 25m lange Tour mit vielen Sintern. Die Route heißt Philipe Cuisinere, 8b/+ und ist im Sektor Ventanas. Wenn ich nun hinzufüge, dass es sich bei dieser Route nicht um ein Ausdauerproblem handelt, sondern es im Prinzip nur ein Boulder ist, mag ein mancher ungläubig schauen. Aber ich lüge nicht, die Tour beginnt mit weiten Zügen an guten Griffen, zwei Freunde meinerseits mögen es auch als Reha-Klettern bezeichnen ;). Nach dieser Passage folgt ein unangenehmner Knieklemmer-nohand-rest; die Schmerzresistenz muss ja auch geschult werden. Danach folgt ein Boulder, bei dem man sich an Seitgriffen, Zangen und Sintern entlangwinden muss, was ein Quäntchen Körperkraft, Technik und Konzentration verlangt. I love it. Ich war erstaunt, wie schnell mir die Route gelang, schon nach 5 Tagen durfte ich den Umlenker klippen und habe mit dieser Tour meine erste Route ab 8b gemacht, die überhängender ist als 25 Grad 😉
Zufrieden und glücklich verließen wir schließlich Espana. Das i-Tüpfelchen unserer Reise war ein drei-tägiger Aufenthalt in Briancon, bevor es für mich wieder in die Heimat ging.

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