Picos Berge & Mehr – Sardinien Trad

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19. Januar 2015

Es ist ja nicht so, dass wir mit dem Winter an sich nichts anfangen könnten. Was uns da im Dezember aber als Einstieg geboten wurde, ließ wirklich keine Vorfreude aufkommen. Dann halt noch mal Fels im Süden.

Sardinien ist eigentlich für seine enorme Masse an Kalkfelsen mit gut eingerichteten Klettergärten und Mehrseillängen Routen bekannt. Etwas sportklettermüde passt es da ganz gut, dass der Führer schreibende Protagonist der Insel die Welt just gerade mit seinem neuesten Werk über Trad- und Cleanklettereien auf dem Eiland beglückt. Dass darin eigentlich jeder Fels als irgendwie herausragend beschrieben, jede Route entzückt zwischen wunderbar und traumhaft eingeordnet wird, lässt richtig Spannung aufkommen. Aber um aufkeimenden Sarkasmus gleich in eben diesem zu ersticken: wir hatten unseren Spass ohne Bohrhaken, auch wenn die Personalunion aus Führerautor und Haupterschliesser des Gebietes zu einem vom Enthusiasmus gefärbten Blick auf die ein oder andere (eigene) Tour geführt haben könnte. Bei ganzen zwei eingebohrten Touren in 14 Klettertagen kann man sagen, Sardinien taugt für nicht- Sportkletterer allemal! (und für letztere sowieso…)

Mit Ausnahme einiger weniger, selbst abzusichernder Kalkrouten, spielt sich das Cam- und Keilelegen an granitenen Klippen am Meer und rundlichen Domen in der Hügellandschaft ab. Die cleanen Routen sind keineswegs alte unlohnende Klassiker, an denen noch niemand ein Einsehen hatte und ein paar Bohrhaken spendierte. Die meisten der modernen Trad- Linien wurden erst in den letzten Jahren begangen und es wurde bewusst und konsequent auf den Einsatz von Bolts verzichtet. Die Lokals stellen sich hier nicht die Frage der Wertigkeit von bohrhakengesicherten Sportklettertouren gegenüber selbst abzusichernder Kletterei (die sich im Übrigen mehrheitlich nicht gerade in den unteren Schwierigkeitsgraden abspielt). Es geht beim Verzicht auf fixes Material schlicht um den Erhalt der Vielfalt des Klettersports. Kompliment!

Landschaftlich gesehen würden wir einige Gebiete direkt am Meer als absolute Highlights bezeichnen. Bei der Kombination aus türkisblauem Wasser und goldgelbem Granit schliessen wir uns der Beschreibung „surreal“ des Führerautors gerne an. Was die Felsqualität angeht, lassen sich ein paar echte Perlen finden. Und vor allem Rissliebhaber dürfen ob der ein oder anderen Linie ruhig mal ins Schwärmen kommen. An anderen Stellen muss man es aber schon wirklich wollen, damit die Begeisterung nicht verebbt. Zwar haben wir auch am brüchigsten, sandigsten und vor allem regelrecht unter Flechten verstecktem Fels immer ein paar gute Züge gefunden. Die Absätze überspannende Begeisterung des Erschliessers für die Qualität der Touren konnten wir jedoch nicht immer teilen.
Aber die bräuchte es ja auch gar nicht. Denn wer immer nur Top- Gebiete finden, und nicht auch einmal etwas abseits des Mainstreams entdecken möchte, der wird sich schnell ein anderes Betätigungsfeld suchen. Die eher verstreut liegenden Trad- Gebiete Sardiniens ersetzen sicher keinen England Besuch. Wer diesem Spiel aber nicht abgeneigt ist, für den lohnt es sich allemal, beim nächsten Wintertrip zwei Sätze Friends einzupacken.

weitere Informationen und Kurse unter Picos Berge & Mehr

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