Stefan Bühl – Klettertrip Spanien

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29. Juni 2015

Klettertrip Spanien

Nachdem ich im Oktober mein Filmstudium als Kameramann beendet habe, bin ich im Januar mit meiner Freundin Jana und unserem neuen VW Bus auf einen Klettertrip nach Spanien gefahren. Da in Spanien das ganze Jahr über die Sonne scheint, bietet es sich als Winterklettergebiet an. Hungrig auf Sonne und viel Fels kamen wir aus dem verregneten Hamburg zunächst nach Siurana, einem wunderschönen Klettergebiet in Katalonien, wo uns zwar viel Sonne, aber auch Schnee, Eis und sehr kalte Nächte erwarteten.

Siurana ist ein Klettergebiet mit vielen vertikalen, bis zu 50 m langen, ausdauernden und von Leisten dominierten Routen, weshalb ich es eher als klassisch bezeichnen würde. Dieser Stil war nach einem Wintertraining in Hamburgs Boulderhallen erst mal sehr ungewohnt und da Jana und ich beide gerne an Löchern und im steilen Gelände klettern, zogen wir im Februar ins nur 50 km entfernte Margalef um. Trotz der geografischen Nähe zu Siurana ist der Kletterstil in Margalef völlig gegensätzlich. Der Konglomeratfels bietet viele Löcher, wie wir sie aus der Fränkischen Schweiz gewohnt sind. Zudem gibt es viele kürzere Routen von 15-30 Metern, die häufig sehr überhängende Boulderkletterei bieten. Hier fanden wir sofort viele Routen, die sich perfekt an unser Winterbouldertraining anschlossen, vor allem im Sektor Laboratori.

Nachts war es zwar immer noch sehr kalt, tagsüber durften wir dafür im Februar und März perfekte Kletterbedingungen genießen. Dies wusste auch die internationale Kletterprominenz und so fanden sich Gabriele Moroni und Stefano Ghisolfi in Margalef ein um die Demencia Senil (9a+) im Laboratori zu projektierten und wir wurden Zeugen wie Stefano sich die vierte Wiederholungen dieses Margalef Klassikers abholte.
Das deutsche Scarpa Team war zu dieser Zeit auch in Margalef vertreten, durch Tom Thudium und Jochen Perschmann, mit denen wir ein paar schöne Wochen verbrachten. Jochen litt zwar unter diversen Fingerverletzungen, die er sich kurz vor dem Trip eingeholt hatte, konnte aber trotzdem Routen bis 8b mit drei Fingern pro Hand bewältigen.

Obwohl Kletterer aus aller Welt nach Margalef strömen, leidet der kleine Ort keineswegs unter einer touristischen Atmosphäre. So kann man abends in der Stammkneipe mit den Locals Fußball schauen und Bocadillos essen und im kleinen Supermarkt versucht die freundliche Verkäuferin einem stets ein paar spanische Sätze beizubringen, während sie zugleich auch eine Meisterin der Hand und Fuß Sprache ist. Zudem konnten sich Besucher bisher an zwei kostenlosen Parkplätzen mit Wasser und Feuerstellen erfreuen, die jedoch mittlerweile zu kostenpflichtigen Campingplätzen mit WLAN und sanitären Einrichtungen umgebaut werden. Ich hoffe, dass diese Entwicklung den authentischen Charakter des Dorfes nicht allzu sehr ändert und verstehe zugleich die Notwendigkeit der Einrichtung sanitärer Anlagen, angesichts der Vielzahl bisher wildcampender Besucher.

Ostern machten wir aus Angst vor einer Überbevölkerung in Margalefs Klettersektoren einen Abstecher nach St. Llorenc de Montgai und Camarasa. Diese Klettergebiete liegen in der Nähe von Lleida und sind sehr klein. Für einen kurzen Besuch sind sie jedoch sehr empfehlenswert, da sie einige schöne Sektoren bieten.

Ende April wurde die begehrte spanische Sonne zur Plage. Bei über 40 Grad im Schatten war es definitiv zu heiß zum Klettern. Eine Wasserspritzpistole wurde zum integralen Bestandteil der Kletterausrüstung und bot vor jedem Versuch eine Erfrischung. So entschieden wir uns eine schon im vornherein geplante Sommerkletterpause einzulegen und verbrachten die zweite Maihälfte zum surfen in Portugal. Für Physis, Psyche und insbesondere für die Klettermotivation war diese Surfpause ein sehr schöner Abschluss unseres Trips. Wir blicken zurück auf einen abwechslungsreichen Klettertrip von Schneegestöber bis Sonnenstich war alles dabei und wir haben diese Zeit sehr genossen, schöne Momente mit neuen und alten Bekannten erlebt, viele tolle Routen geklettert und von Schneehose bis Badehose jedes Bekleidungsstück unserer Reisekollektion voll ausnutzen können.

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