Lena Herrmann – Französisches Sommerdebut

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30. Juli 2015

Französisches Sommerdebut.

Für mich ging es mitte Juni für etwa zwei Wochen nach Briancon in den französischen Alpen…mal den Kopf frei kriegen von heimischen Projekten 😉

Ich bin unglaublich begeistert und beeindruckt von der Region. Ich bin nun schon oft im vergangenen Winter dort gewesen und zweimal zum Wettkampf aber ich durfte zum ersten Mal das Felsspektrum kennenlernen. Mein Ziel hat sich dadurch schnell gesetzt – ich hatte hier die Möglichkeit, ein besserer Kletterer zu werden. Das bedeutet nicht gleich stärker – aber kompletter und selbstsicherer in verschiedenen Gesteinen und Styles.
Somit wurde ich ständig von den Locals begleitet und inspiriert. Ich bin sehr dankbar, die
lokale Kletterszene kennengelernt zu haben. Eine Gruppe aus unsagbar freundlichen, begeisterten und unterstützenden Menschen.

Am ersten Tag meiner Mission, eine bessere Kletterin zu werden, ging es nach ‚Rue des Masques‘. Hier bin ich eines der ersten Male am Konglomerat geklettert und ich fand raus, dass dies ein Gestein ist, was mir unglaublich lag. Zugegeben: Ich wäre auch gern die ganzen 10 Tage hier geblieben und hätte was projektiert, aber davon wurde ich abgehalten. Gut so. Projektieren tue ich oft genug daheim.
Schließlich blieb es bei dem einen Besuch, mit der Route „Racing in the Streets“ 8b in der Tasche nach nur 5 Versuchen. Für mich ein tiptop Start.
In den kommenden Tagen hieß es Training am Campusboard im Garten und auf Berge laufen. Ich werde diesen anstrengenden Tag niemals in meinem Leben vergessen. Laufen und ich werden wohl nie Freunde werden.
Mein Felstrip wurde fortgeführt mit einem Besuch in Entraguyes. Dieser Sektor erinnert mich an Magic Wood mit Seil. Kraftvoll und physisch. Nicht besonders meine Stärke aber der Stil macht Freude.
Das beeindruckendste Gebiet war für mich Ailefroide. Der Sektor Face Bouc liefert unglaublich lange, überhängende Touren an Granit-Leisten.
Mit weiteren Routen bis 8a+ verließ ich Briancon für vier Tage und machte mich auf nach Ceüse. Das war ein Abenteuer-Trip bezüglich der Kommunikation. Ich allein unter jenen Franzosen, die nicht die größten Englisch-Talente waren, während mein Französisch ja noch „under construction“ ist. Trotzdem war es herrlich und ich kann aus tiefstem Herzen sagen Merci pour tout!!!!

In Ceüse bin ich nun schon ein paar Mal gewesen, jedoch nie wirklich erfolgreich. Lange Ausdauerrouten mit gleichbleibender Schwierigkeit fielen mir immer sehr schwer und ich musste ständig kämpfen. Daher waren meine Ziele für diese vier Tage die Route „Seurs Froides“ 8a+ und daneben „Carte Blanche“ 8a. Dass ich letztere jedoch beinahe flashte und beide schließlich im 2. Versuch klettern konnte hat mich überrascht und sehr motiviert. Dann dachte ich an eine Tour, die ich im vergangenen Jahr einmal angeschaut habe, „Chirugien du crepuscule“ 8b/+. Ein sehr langer Weg mit verschiedenen Einzelstellen, nicht gerade der leichteste in seinem Grad.
Die Tour bildete wahrhaftig das Highlight meines Kurztrips, da ich die Umlenker fast im zweiten, letztendlich aber im 5. Versuch klippen konnte. Wiedermal bestätigte sich meine Theorie: Für die Grundfitness bin ich selbst verantwortlich, aber die Leute mit denen ich unterwegs bin, helfen mir einen kühlen Kopf zu bewahren und sie machen jede Reise besonders.

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