Picos Guides – Freetouring Chamonix

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26. Februar 2016

Picos Guides – Freetouring Chamonix

 

Immer wieder Chamonix. Auch im Winter ist das höchste Massiv der Alpen ein Mekka für Freunde der weißen Materie, aus der die Träume sind. Mit seinen steilen und hochalpinen Couloirs ist es schon seit jeher die Prime Destination für Extrem – Skifahrer, und schon zahlreiche Wände, in denen auch versierte Eiskletterer lieber mal das Seil auspacken, wurden mit Ski befahren. Ein weiteres Merkmal sind die hervorragenden Möglichkeiten für Skitouren mit Liftunterstützung. Die Seilbahnen von Aiguille du Midi, Grands Montets und Index entlassen uns in Windeseile in die atemberaubende Welt aus steilen Granitnadeln, wilden Gletschern und vor allem nicht enden wollenden Abfahrten.

13. März 2016: Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes – zunächst noch nicht: Die Alpen liegen wieder einmal unter einer straffen Westströmung und das heißt, wie schon so oft diesen Winter, viel Neuschnee in Chamonix. Als wir das Arve Tal hinauffahren, regnet es in Strömen; erst in Le Tour Mont Roc geht der Regen in Schnee über. Immerhin liegen hier im hintersten Arve Tal schon an die Eineinhalb Meter Schnee.
Für den Sonntag sind weitere Schneefälle und Wind angekündigt. Andre aus Südafrika und Roger aus GB waren sowieso vor einem Jahr das letzte Mal auf Ski gestanden, daher bietet sich ein Tag im Gebiet Grands Montets zum Einfahren an. Die weitläufigen Hänge, die sonst eher einer gigantischen Buckelpiste gleichen, warten mit einigen überraschend guten Runs auf. Anscheinend ist die Freeridecommunity heute beim Feiern in Chamonix.
Das Wetter bessert sich, aber der Lawinenlagebericht sagt Stufe 4. Immerhin haben wir es lediglich mit Neu- und Triebschnee und nicht wie in den Ostalpen, mit Altschnee zu tun. Da die Sicht immer noch schlecht ist, machen wir eine Tour von Vallorcine zum Col Berard, im Herzen der Aiguilles Rouges. Ein Wechsel aus Nebelschwaden und kurzen klaren Momenten sorgt für eine magische Stimmung, und bei der Abfahrt ernten wir die ersten Früchte der vergangenen Schneefallperiode.
Am Abend künden die ersten Videos im Internet davon, dass auch ein paar Leute im Vallée Blanche ihren Spaß hatten.
Da die Schneedecke gestern einen recht stabilen Eindruck machte, wagen wir uns am Dienstag an einen Klassiker im Argentière Kessel. Erstmal nehmen wir die 700 Höhenmeter von der Grands Montets hinunter zum Argentière Gletscher unter die Ski. Hier ist sogar noch Raum für frische Spuren. Wir fellen an und steuern, die Argentière Hütte links liegen lassend, auf den Col d’Argentière zu. Die großzügigen 30 – 35 ° steilen Hänge des Glacier du Tour sind gut eingeschneit. Ein französisches Zweierteam spurt gerade an, wir klemmen uns dahinter. Am Col bekommen wir ein grandioses Panorama mit Grande Combin und Matterhorn serviert, allerdings lockt die Abfahrt zu sehr als das wir uns lange aufhalten wollten. Traumhänge, Pulver und die Nordwände von Courtes, Droites und Vertes immer im Blick – das ist schon einzigartig! (Aufstieg 1000 Hm, Abfahrt 2800 Hm)
Am Mittwoch nehmen wir erneut die Grands Montets, steigen jedoch zum Col du Passon auf. Auf der anderen Seite geht’s in wunderschönen Big Turns auf dem Chardonnet Gletscher bis zur Albert 1er Hütte. Ein weiterer Aufstieg vermittelt den Zugang zum Glacier des Grands. Hierhin verirren sich um diese Jahreszeit ob des beschwerlichen Zugangs kaum Wintersportler und so können wir die 1700 Hm hinunter nach Trient in aller Ruhe genießen. (Aufstieg 1000 Hm, Abfahrt 2900 Hm).
Noch einmal gutes Wetter und die Schweizer geben fürs Unterwallis mittlerweile die Stufe 2 aus – „grünes“ Licht für die Brèche Puiseux! Der Zustieg beginnt mit der ersten und weitaus interessanteren Hälfte der Vallée Blanche Abfahrt. Beim Salle à manger wird angefellt und über den Périades Gletscher spuren wir im Wechsel mit einem französischen Team in den wilden Kessel unterhalb des Dent du Géant. Die Brèche muß mittels 250 Höhenmetern Wühlerei in knietiefem Trittschnee hart erarbeitet werden. Dafür verschlägt es uns auf der anderen Seite den Atem, denn plötzlich ist die Grandes Jorasses Nordwand zum Greifen nahe. Angesichts dieser sagenhaften Kulisse, fällt es schwer, die für die abfahrt notwendige Konzentration aufzubringen. Dennoch – an manchen Stellen reicht ein Schwung in die falsche Richtung und man würde in einem der Riesenlöcher des Mallet Gletschers verschwinden. Nach einem langen Tag cruisen wir dann noch lässig über das mittlerweile ausgestorbene Mer de Glace hinunter nach Chamonix. (Aufstieg 1000 Hm, Abfahrt 3600 Hm).

 

Fotos: Andre Gie

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