Thomas Lindinger – Von dem Neckar an den Lago Maggiore

zurück
5. April 2016

Zwei Tage bouldern in Heidelberg. Kurz zurück nach München um die Bachelorarbeit in den Druck zu geben. Und anschließend für fünf Tage ins Tessin. So oder so ähnlich fühlt sich vermutlich das Leben eines Vollprofis an.
Irgendwann mal am Riesenstein zu bouldern, war schon lang auf meiner to-do Liste. Ergeben hat es sich allerdings nie. Zwei Wochen vor Ostern sollte es dann endlich so weit sein. Oder doch nicht? Leider ist meine Freundin Liesa am Abend vor der geplanten Abfahrt krank geworden und wir mussten den Wochenendausflug spontan planen. Aufgeschoben ist aber ja bekanntlich nicht aufgehoben und eine Woche später hat es sich dann doch noch ergeben, sich mal am ‚Mensch und Maschine‘ zu versuchen. Da ich mich am Tag der Ankunft aber eher nicht nach einem 8B+ Boulderer gefühlt habe, wollte ich dann doch lieber die leichteren Klassiker am Riesenstein klettern. Dank der beiden Locals Dennis und Pingo haben wir uns auch auf Anhieb zurecht gefunden. Als Tages-Resümee lässt sich festhalten: der Riesenstein hat tolle Boulder zu bieten. Darunter auch nicht schlechte Linien. Allerdings ist vieles ein wenig definiert und daher keine allzu große Anreise wert. Das Mensch und Maschine will ich aber sicher irgendwann nochmal in guter Tagesverfassung versuchen. Am zweiten Tag in Heidelberg hat sich das nämlich auch nicht ergeben, weil mich eine andere Linie gefesselt hatte. Das Cannibal Corpse ist optisch der Hammer und ich wollte mich lieber daran versuchen. Mir war zwar klar, dass ich in nem 8B+ Boulder, dessen Crux nur zwei Züge sind, nicht sonderlich viel Auftrag haben würde. Dennoch hat es viel Spaß gemacht sich daran zu probieren. Einen von den zwei schweren Zügen hab ich immerhin auch geschafft. Jetzt heißt es dafür noch ein wenig trainieren und vielleicht hab ich dann in Zukunft irgendwann die Chance dieses Highlight zu klettern. Fotos haben wir trotzdem auch jetzt schon ein paar gemacht. Der Block sieht auch einfach zu gut aus, um ohne ein paar Schnappschüsse heimzufahren.
Zusätzlich zu den Sandsteinblöcken um Heidelberg haben wir uns noch die scharfen Graniteier im Odenwald angeschaut. Liesa hatte im Führer das ein oder andere Highlight gesichtet und wenn man schon mal in der Gegend ist, rentiert sich die kurze Fahrt dann auch. Die Boulder die wir dort vorgefunden haben sind nicht schlecht. Die Fahrt von München, würden wir dafür allerdings nicht extra in Kauf nehmen. Wer aber mal in Heidelberg für paar Tage ist, der kann sich im Felsenmeer gut austoben und ein wenig Abwechslung finden.
Nach Heidelberg ging es wie gesagt nur kurz nach München zurück, um meine Bachelorarbeit drucken zu lassen und Liesas Geburtstag gebührend zu feiern. Am Tag danach wollten wir aber auch schon wieder im Tessin alte Projekte klettern, weshalb das Feiern nur auf ein gemütliches Abendessen beim Spanier beschränkt wurde. Als wir über Silvester das letzte Mal in Chironico waren, konnte meine Freundin eins ihrer Projekte, in diesem Fall das ‚Bella Nicki‘, nicht mehr vollenden. Sie ist zwar damals knapp gefallen, dann kam aber der Schnee und es war ihr nicht mehr vergönnt diese kleine Traverse durchzusteigen. Dieses Mal hat es zum Glück gleich auf Anhieb geklappt. Wir waren bei unserer Ankunft zwar erstmal skeptisch, weil die Sonne nur so runtergebrannt hat, im Schatten war es aber dann doch nur halb so wild. Und mit der Unterstützung von starkem Wind, der dann am späten Nachmittag einsetzte, konnte auch ich gleich am Anreisetag den Sitzstart zum ‚Schlonzigen Wiener Schmankerl‘ klettern. Dort war ich ebenfalls über Silvester knapp gefallen und hatte mir im Klemmgriff einen großen schmerzhaften Hautfetzen gezogen, weshalb ich damals nicht mehr eingestiegen bin.
Zu unserer Freude, sollte dieser Kurzurlaub auch weiterhin so erfolgreich bleiben. Nachdem wir uns mit ein paar Freunden in Claro mal wieder bei der netten Familie Stillhart eingenistet hatten, ging es am zweiten Tag mit der ganzen Crew wieder nach Chironico. Im 101 findet man mit ‚Arete with the pocket‘ nen schattiges Plätzchen und nen top Boulder. In perfekter Gruppenmanier haben wir uns die Züge ausgebouldert und anschließend dem Block einer nach dem anderen eine Begehung abgerungen. Liesa konnte an dem Tag auch den Grundstein für ihren Durchstieg von ‚Auto Pilot‘, das sie dann nach einem Ruhetag gemacht hat, legen. Sie kannte den Boulder schon von Silvester. Damals war‘s ihr aber zu kalt, um sich an nur zwei schweren Zügen lange aufzuhalten.
Am Restday sind wir nach Locarno an den Lago Maggiore gefahren um ein bisschen zu entspannen, neue Energie zu gewinnen und ehrlich gesagt, um lecker Eis zu schlecken. Die Idee war wohl dann auch nicht so verkehrt. Am nächsten Tag hat es nämlich ordentlich gescheppert. Liesa hat wie schon gesagt ‚Auto Pilot‘ geklettert und mir ist ‚Conquistadors‘ zum Opfer gefallen. Nachdem ich dort schon des Öfteren am letzten weiten Zug verhungert bin, war es auch endlich mal an der Zeit diese Perle durchzusteigen. Für mich sicherlich der qualitativ beste Boulder, den ich bisher im Tessin klettern konnte. Der nächste Tag war dann schon wieder Tag der Abreise. Weil wir keine fixen Ziele mehr in Chironico hatten, haben wir uns mal ein für uns neues Tal angeschaut. Die Rede ist vom Val Calanca. Dort gibt es viele verschiedene Sektoren. Die meisten Boulder sind im 7ten FB Grad. Aber es gibt auch schwerere Highlights. ‚Cold Smoke‘ ist eins davon. Zum krönenden Abschluss unserer Reise, konnte ich das auch relativ fix klettern und anschließend die entspannte Heimreise antreten.
Ein paar Momente dieses Kurzurlaubs, haben wir mit der Videokamera eingefangen. Seht am besten seht selbst: VIDEO

zurück