Tom Thudium – Drei Mal Tessin und was ich sonst noch zum Kletternachwuchs zu sagen habe

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21. April 2016

Drei Mal Tessin und was ich sonst noch zum Kletternachwuchs zu sagen habe

Das Wetter in Franken war schlecht letzten Winter. Sogar sehr schlecht. Deswegen gibt es jetzt auch keine News aus Franken, sondern aus dem Tessin, was diesen Winter mehrmals unser „Ausweichziel“ war.
Neben meiner Freundin Andrea und meinem Mitbewohner Peter Würth war meist noch Max Räuber am Start, der unser Quotenkind darstellte. Klar könnte man Max mit seinen 21 Jahren auch als jugendliches Nachwuchstalent darstellen, doch aufgrund diverser Fakten, wie z.B einem fehlenden Führerschein, wäre dies wahrscheinlich doch ein bisschen zu weit her geholt. Das eigentlich Nervige an diesen Kindern am Fels ist ja nicht, dass man sie immer rumkutschieren muss, sondern auch, dass einem ständig vorgezeigt wird, wieviel mehr Kraft man noch benötigt (Ok ein wenig berechtigt sind die Witze über meine erbärmlichen Campusboardfähigkeiten halt leider schon). Weiter bekomme ich irgendwie langsam nicht mehr das Gefühl weg, schon zur alten Garde zu gehören. Aber da zum Beispiel Peter auch in regelmäßigen Abständen zeigt, wo der Hammer hängt, gebe ich die Hoffnung mal nicht auf, dass da auch in Zukunft noch Einiges gehen wird. Auf jeden Fall waren wir eine gute Crew und konnten, da Rohstrom dann doch nicht alles ist, durchaus auch Einiges voneinander lernen.
Zuerst ging‘s nach Chironico. Unter anderem war es auch der erste Trip mit Andrea‘s ausgebauten Tourneo und so sind wir Campingtechnisch in eine ganz neue Liga aufgestiegen. Der einzige Nachteil an so viel Gemütlichkeit ist natürlich, dass meine sowieso schon recht schlecht ausgeprägten Frühaufsteher-Fähigkeiten nicht unbedingt besser wurden. Max, der wie Peter, leider draußen schlafen musste, versuchte uns dann auch einige Male unsanft mit Rütteln am Auto wachzuschütteln. Eigentlich ne gaaaaanz schlechte Idee, doch konnte er mit direkt nachgelegtem Kaffee ans Bett vor allem Andrea bestechen. Geklettert wurde natürlich auch. Da wie gesagt Campusbarden und Hangwagenhängen bei mir recht schlecht ausgeprägt sind, musste ich mich erstmal auf die Dinge verlassen die bei mir echt gut sind: Lange Arme und dünne Finger haben. Mit „A Schlonzigs Wiener Schmankerl“ hatte ich hierfür den perfekten Boulder gefunden (Längenzug von nem sehr schmalen Klemmslot). Und so ging der Stehstart dann auch relativ schnell. Der Sitzstart addiert zwar eigentlich nur einen 6a Zug macht den Boulder aber deutlich schwerer, da man den Klemmer einfach viel schlechter hat und er mehr wehtut (vlt. ist meine Schmerztoleranz ja auch noch ganz gut). Auf jeden Fall ging der Sitzstart dann auch noch, ist aber leider mit meinen körperlichen Voraussetzungen nicht 8a+. Weiter konnte Peter mal kurz „No Mystery“ (8a+) weghauen und mit einer abgefahrenen Variante seine Größe perfekt einsetzen (was jetzt nicht heißt, dass es so irgendwie leicht sein sollte oder so). Max verballerte in diesem Trip meist irgendetwas und war für seine Verhältnisse leider nicht zu erfolgreich. Andrea war das erste Mal im Tessin und musste sich ziemlich an die Besonderheiten des Gneises gewöhnen, kam gegen Ende aber immer besser rein und die Boulder fingen an zu purzeln.
Über Silvester waren wir dann in Brione und trafen uns mit Jochen Miri und Paula Perschmann und Martin Mayer. Bester Gneis (der Welt) war angesagt und Sylvester feiern natürlich. Zum Start holten sich das Kind Max und der Altmeister Peter erstmal eine Doppelbegehung von Pampelmousse (8a), einem perfekten zebramäßig gestreiften Premiumboulder. Ja und dann erstmal Silvester feiern. Ist aber manchmal gar nicht so leicht, da so n richtiges Kletterstreberkind ja nicht einmal Alkohol trinkt (hätte ja Zwecks Autofahren sogar Vorteile, aber da war ja was mit Führerschein noch nicht gemacht). Eingestimmt von „hier kommt die Prinzessin“ aus Paulas Kinderghettoblaster hatten wir aber dann doch nen ganz lustigen Abend. Und letztendlich hat sogar der kleine Max nen Kinderpunsch mit flambierten Rum getrunken und war so schön an seine noch frühere Kindheit erinnert. Letztendlich war die Feierei dann aber doch nicht zu hart und wir konnten wieder recht schnell klettern gehen. Am ersten Bouldertag 2016 konnte dann endlich auch mal wieder Max seinen Strom gebührend an die Wand bringen und gleich morgens „Amber“ (8b) klettern. War auch besser so, danach gab es Schneeregen und der Boulder war nass. Peter, Martin und ich versuchten uns derweil an „Brionesque“ (8a), einem Wahnsinnsboulder, der gar nicht so niedrig ist und irgendwie nen komischen Block dahinter hat. Also Arschbacken zusammenkneifen angesagt. Für Kinder ist sowas natürlich nichts und so wollte Max da irgendwie nicht mitspielen (wobei eigentlich haben Kinder ja normalerweise weniger Angst und verboten ham wir‘s auch nicht). An diesem Tag ging es trotz Maskierung und Leggins von Peter, leider nicht mehr, doch konnten Martin und Peter den Boulder dann am nächsten Tag wegholzen (ohne Schneeregen). Für Max ging es dann noch zu „Veccio Leone“. Eigentlich wollte er sich nur mal an den Startgriffen warmhängen doch dann bemerkte er zufällig dass man aus dem hängen auch einfach hochgreifen kann und seitdem ist er überzeugt dass hangeln für den Zug die absolut beste Beta ist (AHA?). Dann wurden die restlichen Züge noch schnell und in einer unverschämten Lässigkeit gemacht, dass wahrscheinlich auch die Herren Woods oder Webb beeindruckt gewesen wären. Selbst ich wurde so überzeugt, dass 1-5-9 am Campusbrett vielleicht doch was bringen könnte. Scheiße ich muss trainieren. Leider war der Schneeregen mit dem dazugehörigen Siff immer noch da und der Durchstieg war in diesem Trip nicht mehr möglich. Andrea gefiel Brione auch richtig gut und sie konnte Einiges bis 6b weghauen. Am letzten Tag hatte sie mit einer 6c im Ponte Sektor nochmal ein super motivierendes Projekt gefunden. Das austüfteln der ganzen Tricks dauerte leider ein wenig zu lange, sodass sie leider einen kleinen Tick zu erschöpft war um den Boulder komplett zusammenzuhängen. Dass es von mir auf diesem Trip keine Erfolge zu vermelden gab lag wahrscheinlich schlichtweg an zu vielen Plätzchen und dem Weihnachtsbraten, was bei mir mal wieder zu einer schönen Rundung führte. Am Ende war die Form aber wieder ganz OK.
Da alle guten Dinge 3 sind, ging‘s im Februar nochmal gen Süden. Diesmal waren wieder Chironico und Cresciano auf dem Programm und wir waren in Begleitung des halben Felskaders BW und einem guten Teil der Erlanger Crew. Und da 3 Dinge ja gut sind war es auch dieser Trip. Peter machte relativ kurzen Prozess mit „Delusion of grandeur“ (8a+) und entschied dann glücklicherweise trotz Pump den Mantel durchzuziehen. Da kann sich unser Quotenkind Max mal was abschauen, Mantel und bissl hoch hat ihm mal wieder nicht so getaugt. Trotzdem verhielt er sich löblich, stieg in den Postbus, fuhr nach Cresciano und haute dort mal schnell Dagger (8b/+) weg (und das ganz ohne Chaffeur). Und auch ich konnte bei diesem Trip endlich mal wieder was niederreißen und mit dem Startzug von „No Mystery“ (8a+) vlt. einen meiner schwersten Einzelzüge klettern. Ich hatte diesen besagten ersten Zug auch ca. 4 Jahre versucht und mir immer eingeredet, dass es sau knapp war. Im Nachhinein war dies jedoch eher falsch und ich hatte am Anfang wohl eher keine Chance den Zug zu machen (da war ich auch sehr dick, siehe Bild). Letztendlich sortierte ich den Startgriff dann aber nochmal anders und konnte den Zug dann relativ zügig machen (vlt war ich doch nur 4 Jahre zu doof, wer weiß). Einmal verballerte ich es noch danach, im nächsten Go ging‘s aber. Auch für Andrea war der Trip recht erfolgreich und so konnte sie am letzten Tag noch „Operato ecologico“ (6b) machen und fast noch „Rock a Billy“ (6b) flashen. Nach kurzem absetzen ging es dann aber im 2. Go.
Hier ist ein kleiner Clip von diesem Trip.
Insgesamt waren es auf jeden Fall 3 top Trips und wir hatten durchaus eine Menge Spaß (Wobei haben Leistungssportler sowas überhaupt?) und konnten dann doch durchaus doch den ein oder anderen Boulder klettern (das macht dem Leistungssportler auf jeden Fall Spaß). Achja und soooo schlimm sind die Nachwuchskinder dann auch nicht immer, sonst wäre ich glaube ich auch als Trainer des Felskaders BW ziemlich deplatziert (bitte nicht alles so ernst nehmen) und ja sogar unser kleiner Max ist manchmal recht aushaltbar. Insgesamt denke ich dann doch auch dass es vlt. ganz gut ist, dass es mittlerweile immer mehr fitte Kids wie Max gibt und sich unser Sport weiterentwickelt. Aber muss das immer mit dieser Strebereinstellung sein? Naja und dafür dass die Kinder einen immer platt machen können sie ja auch nix, da muss man halt einfach mal selbst mehr trainieren. Haut rein weiter so.

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