Jan Gruber – Buldern im Murgtal

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13. Mai 2016

Kurztrip ins Murgtal – Mai ’16

Der erste Mai-Feiertag steht vor der Tür und die Wettervorhersage für den Alpenraum sieht vielversprechend aus. Im Tessin ist es bereits zu warm und die Pässe noch nicht schneefrei, demzufolge wäre es naheliegend ins Averstal zu fahren – wären da nicht die ‘Menschenmassen’. Wohin also gehen, wenn man nicht nur besten Gneiss sondern auch etwas Ruhe und Naturerfahrung sucht?

Die Antwort lautet: Ins Murgtal am Walensee – auf die Idee hat mich ein tolles Video von Bernado Gimenez über Fred Nicole gebracht, in dem einige seiner Erstbegehungen im Murgtal zu sehen sind. In dem idyllischen Tal am Walensee finden sich im unteren Bereich hohe Blöcke aus Verrucano Sernifit, einem eher scharfen Sandsteinkonglomerat.

Am ersten Tag war klar, dass wir zuerst im Sektor ‘Zahlstelle’ bleiben und ’Fred’s Shield’ aufsuchen, wie der Name schon vermuten lässt handelt es sich dabei um ein traumhaftes, steiles Schild mit tollem Moosbewuchs. Nach etwas Aufwärmen, ein klein wenig Ausbouldern und einem guten Versuch bei dem ich den Topgriff nicht ordentlich erwischt habe, konnte ich den Boulder ‘The shield 2.0 sit’(~8a+) recht schnell klettern. Dabei handelt es sich um die offensichtliche Linie an dem Block mit einem recht koordinativen dynamischen dritten Zug auf den noch ein paar leistige Züge und ein dynamisches Finish folgen. Alles in allem: Unglaublich gute und homogene Kletterei, alleine dafür hat sich die Fahrt schon gelohnt. Nach etwas mehr als 30min an dem Block habe ich eine kleine Mittagspause gemacht und bis nachmittags gewartet, damit das nächste Ziel ‘Taurus’(8a) im Schatten liegt. Bei dieser Linie handelt es sich um ein etwa 12-Zug langes Problem mit zunehmend schwerer werdenden Zügen, das nach einem lässigem Dyno in der Mitte des sehr hohen Blocks endet. Auch bei ´Taurus´ hielt ich den Top-Henkel nach weniger als 30min in den Händen.

Am nächsten Tag besuchten wir die oberen Sektoren am See. Dort habe ich ‘Double Infraction’(8a+) ausgebouldert, wovon mir alle Züge bis auf den ersten gut gelangen. Für den Start konnte ich allerdings keine Lösung finden, was aber nicht so schlimm war, denn an den zahlreichen leichteren und niedrigeren Blöcken am Bach hatten wir auch so unseren Spaß. Gegen Ende des Tages habe ich ‘L’ombre du vent’ aufgesucht, der weiter unten im zauberhaften, moosigen Wald liegt. Eigentlich wollte ich aufgrund meiner schon ziemlich böse zugerichteten Haut keinen Griff mehr anfassen, habe mich dann aber durch die Ästhetik des Blockes doch dazu durchgerungen die Pads auszulegen und ein paar Züge an den scharfen Crimps zu machen. Nach einiger Zeit gelang mir der Standstart, der im Bereich 8a liegt. Den Sitzstart (~8a+/8b), der sich ganz passabel angefühlt hatte, habe ich im Anschluss dann noch kurz probiert, aber mich wegen der nicht vorhandenen Haut, insbesondere an der linken Hand, geschlagen gegeben – ein guter Grund bald wieder einmal an diesem schönen Block vorbei zu schauen. Meine schnelle Begehung von ‘Sojus’(7c+) am nächsten Morgen rundete diesen kurzen Trip ab, machte aber deutlich, dass es für mich keinen Sinn hat am dritten Tag noch schwere Boulder zu versuchen, da ich zwei Cuts, etliche Blutergüsse und ansonsten quasi keine Haut mehr auf den Fingern hatte.

 

 

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