Mony Retschy – Boulder Worldcup 2016

zurück
23. Juni 2016

Die Wettkampfsaison ist inzwischen zur Hälfte rum, drei Deutschlandcups und fünf Weltcups sind vergangen mit einer ordentlichen Mischung aus Hochs und Tiefs.

 

Der Weltcupstart in Meiringen lief alles andere wie erhofft. Ich hatte einige Schwierigkeiten mit den Bouldern in der Qualifikation und erreichte damit nicht mal das Halbfinale. Nach diesem ersten internationalen Wettkampf war ich dann erstmal verunsichert. Was waren die Gründe? Hatte ich zu wenig oder das falsche trainiert? War ich überhaupt bereit für die Saison?

 

Zum Glück hatte ich nicht allzu viel Zeit diese Gedanken weiter auszuführen. Schon am nächsten Wochenende ging es auf die zweiwöchige Asienreise mit Stopps in Kazo, Japan und Chongqing, China.

Es war das erste Mal, dass ein Boulderweltcup in Kazo stattfand und wir waren alle gespannt, ob es wohl der bisher beste Weltcup werden würde – immerhin ist in Japan der Bouldersport um einiges bekannter und beliebter als bei uns. Tatsächlich war es aber doch ein ganz gewöhnlicher Wettkampf mit vielen Zuschauern und guten Bouldern J. Und für mich wurde es ein besserer Wettkampf als der letzte! Irgendwie, keine Ahnung wie, konnte ich in der Quali alle Boulder klettern und stand am Ende dieser ersten Runde ganz oben auf der Ergebnisliste. Das war vielleicht ein verrücktes Gefühl, aber definitiv ein gutes Gefühl. Und auch im Halbfinale machte ich nur kleine Fehler und landete am Ende auf dem 8. Platz. So langsam kam mein Selbstvertrauen wieder.

Nach drei Tagen Sightseeing, Spazieren und leckerem Essen in Tokio ging die Reise weiter nach China.

Chongqing war wie immer heiß und feucht. Schwarze Matten und schwarze Volumen haben diese Hitze auch nicht unbedingt besser gemacht. Immerhin hatten alle Starter die gleichen Bedingungen und es wurde ein Kampf mit sich selbst und gegen die Sonne. Bei mir hatte das ganz gut geklappt: Quali gut überstanden und im Halbfinale dann relativ wenig Versuche für die „Pflicht“- Boulder gebraucht. Und nach langem zittern und rechnen, bangen und hoffen stand dann das Ergebnis fest: Finale! 😀 Ich freute mich sehr über mein erstes Finale in dieser Saison. Die Boulder im Finale machten richtig viel Spaß, allerdings war ich dann doch schon etwas zu platt aus den Vorrunden und musste mich am Ende ohne Top und dem sechsten Platz zufriedengeben.

Nach drei Wochenenden in Folge mit Weltcups hatten wir endlich wieder ein freies Wochenende. Das fühlte sich richtig wie Urlaub an und um dieses entspannte Gefühl noch etwas zu verstärken fuhr ich für fünf Tage nach Fontainebleau: Sonne, Felsen, gute Gesellschaft… genau die richtige Stärkung für die kommenden Wettkämpfe!

Nächster Stopp war Mumbai, Indien. Es war mein erstes Mal in Indien und die Eindrücke waren gewaltig. Klar, man weiß eigentlich, was einen erwartet, aber das ganze in real zu sehen ist doch noch etwas Anderes.

Das Gute war, dass der Wettkampf in einer klimatisierten Halle stattfand, das schlechte aber war, dass die Aufwärmwand draußen stand und wir uns in schwül-heißen Temperaturen kaum bewegen bzw. richtig aufwärmen konnten. Für mich war dieser Temperaturwechsel wohl zu viel: in der Quali schaffte ich nur zwei Tops und war mir am Ende der Runde sehr sicher, dass es niemals reicht fürs Halbfinale. Aber manchmal kommt es anders als man denkt J Auch die anderen Athleten hatten Probleme mit den Bouldern und ich qualifizierte mich mega knapp für die nächste Runde.

Das Halbfinale begann wie ich die Quali beendet hatte: überhaupt nicht gut. Ich tropfte immer wieder an den Top-Griffen ab. Erst die letzten beiden Boulder wollten mir gelingen. Verrückterweise reichte das fürs Finale – Jipieh 😀 Zwei Finalteilnahmen in einer Saison hatte ich noch nie erreicht! Und es wurde noch besser: Irgendwie konnte ich den letzten Finalboulder im ersten Versuch klettern und rutschte damit weit nach vorn bis auf den zweiten Platz. Mein erstes Podium, meine erste Weltcup-Medaille. Das war einfach ein unglaubliches Gefühl.

Fünfter Halt der Weltcupserie war dann in Innsbruck. Keine weite Anreise, normales essen, normales Klima – und ein gigantisches Starterfeld. Nach einer soliden Qualirunde war aber im Halbfinale für mich Schluss. Auch wenn ich weiß, dass mehr möglich gewesen wäre, bin ich doch mit dem 12. Platz zufrieden.

Parallel zu den Weltcups liefen auch noch die Deutschlandcups mit der Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft. Nach zwei Siegen in Hannover und Köln reichte ein 9. Platz in Zweibrücken um mir den Titel „Deutsche Meisterin 2016“ in Bouldern zu sichern.

Nach dieser guten ersten Hälfte der Saison bin ich gespannt, wie es weitergeht…

zurück