Scarpa Stories – Toni Steurer

zurück
27. März 2019

Von der Haustür durch den Garten auf den Berg

Bergführer, Sanitäter, Stabsfeldwebel, mehrfacher deutscher Meister im Skibergsteigen, alpiner Allrounder, Familienvater und Naturgenießer. Toni Steurer, ein Mann, der seine Position im Leben gefunden hat und bei all der Bewegung, doch ziemlich in sich ruht. Wir waren mit Toni Steurer in seiner Heimat, im Allgäu, bei bestem Wetter mit auf Skitour. Eine Woche später folgte das Interview.

Scarpa Stories: Unseren ersten Telefon-Interviewtermin mussten wir spontan verschieben, weil du auf einem Lehrgang warst und für einen frisch verletzten Kollegen einspringen musstest. Was machst du eigentlich beruflich?

Toni Steurer: Ich bin Soldat, Sanitäter und Heeresbergführer und ziviler Bergführer. Beim Bund bilde ich beispielsweise Anwärter aus, habe aber auch den Dienstauftrag meinen Sport zu betreiben (grinst). Ich leite dort Lehrgänge, führe aber auch privat. Nächste Woche übrigens Snowboarder zum Freeriden, (Pause, er geht ins sich) dabei kann ich gar nicht snowboarden. Ich gehe einfach mit den Ski! Momentan leite ich eine Skitourenausbildung im Lechtal, wir haben gerade ziemliches Sauwetter.

Scarpa Stories: Du blickst auf eine eindrucksvolle Karriere als Leistungssportler zurück. Du bist mehrfacher deutscher Meister im Skibergsteigen, sowohl in der Einzeldisziplin, wie auch im Team. Zudem hast du zahlreiche gute Platzierungen in internationalen Wettkämpfen erreicht…

Toni Steurer: Mein Job als Sportsoldat hat es möglich gemacht. Skibergsteigen ist noch immer ein Nischensport. Wir haben nicht das Geld als Profi von Sponsoring usw. zu leben. Eine Stationierung in Kempten, quasi vor der Haustür hat es mir ermöglicht 14 Jahre in der Nationalmannschaft zu sein und gleichzeitig meine Rechnungen zu bezahlen. Ich bin nicht der Typ, der nur aus einem Bus raus leben kann und will. Außerdem bilde ich unglaublich gerne aus und gebe Wissen weiter.

 

Toni kennt jede Ecke im Allgäu | Bild: Third Pole, Julia Brunner

 

Scarpa Stories: Du hast ja auch eine Familie, eine Tochter und einen Sohn, 12 und 13 Jahre alt. Ihr lebt bei Oberstaufen…

Toni Steurer: Ja und das ist ein Traum! Im Winter bin ich eigentlich jeden Tag auf Ski, im Sommer viel Laufen und Klettern. Ich gehe vom Haus durch den Garten auf den Berg. Das Allgäu ist sehr vielfältig. Die Grashänge brauchen nicht mal viel Schnee. Darüber hinaus bin ich aber eigentlich überall in den Alpen unterwegs.

Scarpa Stories: Verrätst du uns deinen Lieblingsspot?

Toni Steurer: Oh nein, dann kommen da ja alle hin, bleibt geheim, okay? (freut sich)

Scarpa Stories: Apropos geheim, du stehst nicht so auf Social Media und Selbstdarstellung oder?

Toni Steurer: Nein, das mag ich nicht. Übrigens danke Scarpa, schön, dass ihr das hinnehmt. Ich investiere meine Zeit lieber in meinen Sport.

 

Sein Haus hat Toni Steurer selbst gebaut | Bild: Third Pole, Julia Brunner

 

Scarpa Stories: Guter Bogen zum Sport. Wie sieht dein Training denn aus? Kannst du uns einen typischen Tagesablauf mal vorstellen?

Toni Steurer: Kommt total auf die Jahreszeit an. Im Winter gehe ich täglich so 2-2,5 tausend Höhenmeter rauf (täglich), im Sommer mache ich Bergläufe und gehe Klettern. Manchmal gehe ich Laufen, Klettern und dann nochmal Laufen an einem Tag.
Generell liebe ich es lange unterwegs zu sein und Variationen zu machen. Häufig starte ich um 3 oder 4 Uhr nachts und komme dann schon mittags zurück. Meine Kondition ist mein großer Puffer. Hinzu kommt, dass ich in allen Spielarten des Alpinismus gut zu recht komme: Ski, Klettern, Ausdauer. Gelände zu kombinieren, wo andere nur Teile von schaffen, entweder weil die Kondition nicht reicht oder weil sie nur eine Disziplin beherrschen, das mag ich, da kann ich mich richtig ausspielen. Außerdem schaue ich auch immer nach schönen Linien. Kurz: Länge, Abwechslung und Ästhetik der Linie sind entscheidend.

Scarpa Stories: Erzähle uns mehr über dein Allroundertum. Skibergsteigen ist ja „nur“ deine Wettkampf-Disziplin…

Toni Steurer: Ja, ich bin vielseitig unterwegs. Übrigens geht das durchaus auf Idole wie beispielsweise Anderl Heckmaier zurück, der war auch schon krass vielfältig. So kamen für mich schwierige Touren an großen Wänden (z.B. Eiger Nordwand mit 17 Jahren, Matterhorn Nordwand im Winter, oder Pfeiler-Hattrick am Piz Palü unter 24 Stunden – Anmerkung d. Redaktion) zustande. Sowieso das Klettern bis zum oberen 9 Grad, durchaus auch einige Erstbegehungen hier im Allgäu.
Früher auch einige risikoreiche Solo-Sachen, in der Zeit vor meiner Familie.
Aber eigentlich habe ich ja schon bei der Frage zum Training beantwortet was mich reizt. Ausgenommen die Natur, das kommt natürlich noch dazu.

Scarpa Stories: Ja, die Natur: Welche Rolle spielt sie für dich?

Toni Steurer: Der Genuss draußen zu sein, das macht mich glücklich, dafür nehme ich Leiden gerne in Kauf. Auch bei schlechtem Wetter. Die Stimmungen sind immer anders. Im alpinen Gelände können Sachen, die meist leicht sind, plötzlich anspruchsvoll werden. Abwechslung und Variation, da bin ich ja wieder beim Allrounder…
Ich bewundere zum Beispiel Leute die Bahnen schwimmen. Immer in der Halle, immer gleich, das kann ich nicht. Ich liebe die Stimmungen der Natur, ganz besonders morgens – die Zeit des Sonnenaufgangs. Gestern habe ich einen Adler gesehen. Da bleibe ich dann einfach mal stehen. Die Natur belohnt mich!

Scarpa Stories: Drei Worte zu Scarpa!

Toni Steurer: Sehr gute Schuhe. Die passen mir einfach. Würde ich mir welche im Laden aussuchen, würde ich genau die nehmen. Egal welche Art Schuhe, ob zum Bergsteigen, beim Skifahren, Wettkampf-Skibergsteigen, Klettern- und jetzt auch beim Berglaufen der Spin und Atom.

Scarpa Stories: Vielen Dank, Toni. Und viel Spaß morgen früh draußen!

 

Unser Scarpa-Team besteht aus einer Menge erfahrener und junger Weltklasse-Athleten, die viel zu erzählen haben. Mit den Scarpa Stories nehmen wir uns Zeit, in Ruhe zuzuhören.

Story #01: Jochen Perschmann
Story #02: Moni Retschy
Story #03: Sebastian Halenke
Story #04: Dicki Korb
Story #05: David und Ruben Firnenburg
Story #06: Toni Lautenbacher
Story #07: Michi Wärthl
Story #08: Dirk Uhlig
Story #09: Jan Mersch
Story #10: Ulli Steiner
Story #11: Sebastian Brutscher
Story #12: Johanna Holfeld
Story #13: Sarah Kampf
Story #14: Peter Würth
Story #15: Patrick Matros
Story #16: Stefan Knopf

Interview: Hannes Künkel/Third Pole

zurück