Lara Neumeier: Wadi Rum – Von Rissen, über Verschneidungen und Laybacks zu Offwiths

zurück
11. August 2019

Lara Neumeier: Wadi Rum – Von Rissen, über Verschneidungen und Laybacks zu Offwiths

Bisher war ich zum Klettern immer viel in Europa unterwegs, zweimal in Amerika und einmal in Kanada – in den klassisch westlichen Gebieten. Da war die Freude groß, als mich SCARPA, zusammen mit Chiara Hanke und Lena Herrmann, auf einen Klettertrip nach Jordanien einlud. Wadi Rum war für mich daher nicht nur ein ganz neues Gebiet, sondern auch eine ganz neue Kultur. Die Lebensweise der Menschen dort ist mir gleich aufgefallen – viel einfacher und nicht so konsumorientiert aber alle schienen so glücklich. Die Kombination aus Klettern aber gleichzeitig die Kultur der Einheimischen zu erleben hat mich am meisten beeindruckt.

Die Landschaft in Wadi Rum ist einfach nur überwältigend! Weit und breit ragen riesige, rote Gesteinsmassen aus der Erde. Genauso stelle ich es mir auf dem Mars vor! Das Gestein in Wadi Rum ist Sandstein und oft sehr weich und bröckelig. Zum Sportklettern gibt es zwar ein paar gebohrte Routen, allerdings ist die Auswahl bisher noch etwas beschränkt. Die Routen, die erschlossen sind, sind meist 5 Sterne Routen, wir Mädels waren uns aber schnell einig: Wir möchten uns lieber auf das Tradklettern konzentrieren! Hauptsächlich gibt es dort viele Mehrseillängen im leichten und mittleren Schwierigkeitsgrad und unendlich viele Risse, soweit das Auge reicht. Wer vielseitige Kletterei sucht, ist in Wadi Rum deshalb genau richtig! Von Rissen, Verschneidungen, Laybacks, Offwiths bis zum ganz normalen Sportklettern – die Möglichkeiten sind einfach unendlich!

Gleich am ersten Tag haben wir uns mit den Beduinen Atallah und Abdallah von «Shabab Sahra» im Dorf ausgetauscht. Die beiden klettern selbst und kennen Wadi Rum tatsächlich wie ihre Westentasche. Sie gaben uns viele hilfreiche Tipps, welche Gebiete für uns spannend sein könnten. Unseren ersten Tag investierten wir daher in eine Orientierungsfahrt mit unserem Guide Yassir, um uns einen Überblick zu verschaffen. Hinten auf der Ladefläche seines Pick-ups fuhren wir über Sandhügel, vorbei an riesigen Felswänden, Kamelen, Hirten mit ihren Ziegenherden hin zu den Klettergebieten. Die Linien, die uns während unserer Entdeckungsfahrt ins Auge gestochen sind, sind wir dann in den folgenden Tagen auch geklettert, hauptsächlich aber im Barrah Canyon oder oberhalb von Rum Village. Topos hatten wir zwar auch dabei, aber so aktuell waren die dann auch nicht mehr. In Rum Village gibt es im Touristentreffpunkt zwar auch ein Buch, indem handschriftlich per Zeichnung neue Routen festgehalten werden, aber wir haben uns fast ausschliesslich auf die Tipps der Beduinen und unser Auge verlassen. Uns ging es nicht wirklich darum irgendwelche schweren Routen zu projektieren und abzuhaken, sondern wollten wunderschöne Linien klettern, egal ob schwer oder einfach, und eine tolle Zeit zusammen haben.

Die beste Jahreszeit zum Klettern in Wadi Rum ist eigentlich von November bis Februar, weil da die Temperaturen weitaus angenehmer sind. Wir waren Ende April relativ spät im Jahr dran, daher mussten wir unseren Tag immer genau planen. In Wadi Rum hat die Sonne unseren Tag bestimmt, denn in der Mittagshitze war es am Fels einfach zu heiß. Stattdessen gönnten wir uns immer eine ausführliche Mittagspause und haben mit unserem Guide auf einer Decke im Schatten der Felswände Mittaggegessen und anschliessend erstmal Siesta gemacht. Nachmittags hatten wir nochmals ein Kletterfenster bis 19 Uhr bevor die Sonne die Wüste in pures Gold verwandelte und es schlagartig dunkel wurde.

Mein Tipp für alle, die das Abenteuer an den Felsen Wadi Rums suchen:
Erfahrung und gute Kenntnisse im Legen von Sicherungen sind sicher vorteilhaft, da es nur bedingt Sportkletterrouten gibt. Der Sandstein ist teilweise sehr weich und nicht alle Risse waren sehr leicht abzusichern. Der Kontakt zu den Beduinen ist Gold wert, denn die geben einfach die besten Tipps. Wer plant für mehrere Tage oder gar Wochen in Wadi Rum zu bleiben, sollte einen Tag in eine Orientierungsfahrt investieren, da es einfach so viel zu sehen gibt. Außerdem gibt es genügend Boulder unterwegs, an denen man sich zwischendurch austoben kann. Langweilig wird es in der Wüste garantiert nicht!

Fotos: Scarpa Schuhe AG
Text: Lara Neumeier

Weitere Berichte

zurück