Chiara Hanke: Wadi Rum – Der Beginn eines neuen Kapitels

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15. August 2019

Chiara Hanke: Wadi Rum – Der Beginn eines neuen Kapitels

Spektakuläre Felsformationen aus rotem Sandstein und ein endlos scheinender Wüstenhorizont – Wadi Rum hat uns alle geflasht! Während unserer Reise hat sich ein komplett neues Kapitel in meinem Kletterleben geöffnet…

Zusammen mit den beiden anderen SCARPA Athletinnen Lara Neumeier und Lena Herrmann, der Alex (eine SCARPA Mitarbeiterin) und unserem Fotografen Frank Kretschmann sind wir eine Woche nach Jordanien, genauer gesagt nach Wadi Rum, zum Klettern gereist. Allesamt waren wir mit dem Land und der Kultur bis dahin noch nicht vertraut. Am Flughafen in München haben wir noch alle gewitzelt, wen man von uns Mädels für wie viele Kamele vor Ort eintauschen kann. Bei drei blonden Mädels konnte man gespannt sein, um wie viele Kamele SCARPA am Ende der Woche reicher sein würde. Letztendlich war die Alex als Brünette mit braunen Augen der volle Renner. Aber auch sie haben wir am Ende dann wieder mit nach Hause genommen.

Die Wüste bietet so viele beeindrucke Wandformationen und so unterschiedlich Strukturen, die ich noch nie gesehen habe! Mal steht man vor einer komplett glatten Wand, dann vor einem Wabennest und dann später vor einem Riss, der durch die gesamte Wand reicht. Gerade sportklettermäßig könnte man eine Highlight-Tour nach der anderen erschließen. Aber auch in den Bereichen Bouldern, Trad oder Multipitch gibt es Potential für gefühlte 100 Jahre. Wände soweit das Auge reicht!

Jeden Tag wurden wir von unserem Guide Yassir zu den Locations begleitet. Schnell gehörte er fest zu unserer Gruppe und auch wir Mädels wurden jeden Morgen mit kumpelhaftem Handschlag begrüßt. Mittags halfen wir ihm in der Wüste Feuer zu machen und unser Mittagessen vorzubereiten. Während wir kletterten, lag er meistens auf einer Decke mit seiner Shisha und schaute uns einfach beim Klettern zu. Hin und wieder kletterte er sogar selbst ein paar Meter am Felsen hoch – jedoch ohne Ausrüstung und barfuß. «Bedouin Style» nennt man das wohl. Wir erfuhren, dass die Beduinen vorzugsweise die sogenannten «Bedouin Routes» klettern. Die Routen sind relativ leicht und nicht sehr hoch aber werden ohne Schuhe und ohne Absicherung erklommen – oftmals geht es den gleichen Weg auch wieder runter. Während unseres Aufenthaltes standen uns die beiden Beduinen Atallah und Abdallah von «Shabab Sahra», zur Seite. Die beiden leben derzeit im Dorf und bieten Touren durch die Wüste an, um Touristen ihre Kultur näherzubringen. Vor einigen Jahren gründeten die beiden eine Klettergemeinschaft in Wadi Rum. Mit voller Ausrüstung und Schuhen klettern sie aber erst seit sie vor einigen Jahren Touristen beim Klettern mit Gurt und Seil beobachtet haben. Am letzten Tag hängten wir für unsere Beduinen Freunde dann auch Topropes ein und wir tobten uns alle gemeinsam am Fels aus.

Interessant war, dass Zeit in der Wüste sehr sekundär schien. Gemeinsamkeit bedeutet dort viel mehr und Gastfreundlichkeit war bei den Beduinen dort eine Selbstverständlichkeit. Während unserer Zeit in der Wüste hatten wir auch keinen Handy Empfang. Irgendwann fanden wir heraus, dass es einen geheimen Hügel gibt, auf dem es angeblich Handyempfang geben soll. Wo der jedoch genau ist, verraten die Beduinen den Touristen nicht. Unsere Alex hat es am Ende dann doch irgendwie rausbekommen, aber auch sie hielt dicht, was im Endeffekt auch gut war! Ohne Handy haben wir die Zeit viel wertvoller verbringen können. Wir haben viel miteinander geredet, am Lagerfeuer gesessen, einmal haben wir versucht die Beduinen zum Yoga zu motivieren oder haben zusammen Balancespielchen gespielt.

Die Zeit mit den Mädels hat für mich neue Türen geöffnet. Für mich war es das erste Mal Rissklettern. Vor allem das selber Absichern. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister! Ich vertraute ganz meinem Körpergefühl. Also wurde gestellt was das Zeug hält und gepiazt. Am Ende merkte ich dann auch¨, wie gut man mit den Füßen klemmen kann und, dass der ein oder andere Faustklemmer bestimmt kraftsparender gewesen wäre. Von Vorteil war, dass die Stände meistens gebohrt waren. Obwohl es kaum fixes Material gab, ließen sich fast alle Routen gut absichern. Das Gestein ist sehr stark strukturiert, hat viele Sanduhren und gute Placements für Keile und Friends. Mein Highlight war definitiv mein erster Riss, den ich komplett selbst abgesichert habe. Ich glaube ich habe noch nie so viel Adrenalin in meinen Körper gehabt. Das werde ich bestimmt nie vergessen!

Fotos: Scarpa Schuhe AG
Text: Chiara Hanke

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